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Big Cuts: Mordsdinger mit Geschmack

Grillieren soll Freude machen und nicht unnötige Hektik verursachen. Insbesondere wenn Gäste um den Grill stehen, spielen grosse Stücke ihre Stärke aus: Sie brauchen Aufmerksamkeit, aber keine Dauerbetreuung. Statt im Minutentakt kleine Portionen zu wenden, lässt man einen mächtigen Cut ruhig auf dem Rost liegen, während dieser Kruste aufbaut, Aroma entwickelt und beim Servieren für den grossen Auftritt sorgt.

Der Tisch ist gedeckt, die ersten Gläser sind eingeschenkt, jemand steht mit kennerischem Blick vor dem Rost, und rund um den Grill sammelt sich diese angenehme Erwartung, dass gleich etwas Eindrucksvolles auf den Tisch kommt. Genau für solche Momente sind Big Cuts gemacht. Ein grosses Stück Fleisch wirkt nicht wie eine schnelle Feierabendlösung, sondern wie eine Ansage: Heute nimmt man sich Zeit. Niemand muss darauf warten, dass erst die erste Portion, dann die zweite und dann die dritte fertig wird. Ein grosses Stück gart kontrolliert, wird am Schluss tranchiert und kommt für alle gleichzeitig auf den Tisch. Genau das macht den Grillabend entspannter und, wenn wir ehrlich sind, auch ein gutes Stück eindrucksvoller.

Wenn der Grillabend mehr sein soll als nur Verpflegung

Der Reiz liegt dabei nicht nur in der Grösse. Natürlich machen ein langer Knochen, eine dicke Kruste und ein perfekt rosa Kern optisch etwas her. Aber der eigentliche Vorteil ist die Ruhe im Ablauf. Wer Gäste bewirtet, will nicht den ganzen Abend zwischen Feuer, Zange und Nervosität verbringen. Big Cuts nehmen Tempo aus der Sache. Sie lassen sich scharf angrillieren, dann bei indirekter Hitze fertig garen und geben dem Grillmeister die Freiheit, zwischendurch auch mal am Tisch zu sitzen statt im Dauereinsatz am Rost zu stehen. Gerade deshalb passen sie so gut zu langen Sommerabenden, guten Gesprächen und allem, was neben dem Fleisch ebenfalls zum Genuss gehört.

Was Big Cuts eigentlich sind

Der Begriff Big Cuts ist keine streng definierte Metzgerkategorie, sondern vor allem eine sehr treffende Beschreibung. Gemeint sind grossformatige, dick geschnittene Fleischstücke, die nicht als kleine Einzelportion gedacht sind, sondern als gemeinsames Stück auf den Grill kommen und erst nach dem Garen aufgeschnitten werden. Häufig stammen diese Zuschnitte aus besonders begehrten Partien des Tiers, also aus den sogenannten Edelstücken oder zu englisch Prime Cuts. Das sind jene Bereiche, die feinfaserig, zart und zum Kurzbraten oder Grillieren besonders gut geeignet sind. Bei Steaks gilt ausserdem: Dickere Stücke lassen sich kontrollierter garen. Als Faustregel fährt man mit mindestens 3 cm Dicke deutlich sicherer. 

Purer Genuss entsteht dort, wo Grösse und Fleischqualität zusammenkommen: genug Masse für Röstaromen, Saft und Kruste, aber zugleich genug Zartheit, damit am Tisch nicht gearbeitet, sondern genossen wird. Darum landen in dieser Liga meist Cuts aus Rücken, Nierstück, Hohrücken oder Huft und eben nicht aus Schulter, Hals oder Brust. 

Wo die Edelstücke beim Rind liegen

Wer verstehen will, warum einige Stücke als Prime Cuts gelten und andere nicht, muss einen Blick aufs Tier werfen. Beim Rind sitzen die klassischen Edelstücke vor allem im hinteren Bereich beziehungsweise im Rücken und gelten als typische Kurzbratstücke. Dazu zählen unter anderem Filet, Teile aus dem Nierstück, Entrecôte, Hohrücken oder auch die Huft. Diese Partien werden vom Tier weniger stark beansprucht als Schulter, Hals oder Brust. Genau deshalb bleibt das Fleisch feiner in der Struktur, zarter im Biss und ideal für den Grill. Schulterstücke sind zwar kulinarisch interessant, gehören aber nicht zu den klassischen Edelstücken. Sie eignen sich eher für längere Garmethoden (BBQ) wobei sich Bindegewebe und Kollagen auflösen und ins Fleisch übergehen. 

Beim Kalb ist die Logik ganz ähnlich. Auch hier gelten die edleren Stücke aus dem Hinterviertel als erste Wahl zum Kurzbraten oder Grillieren. Kalbskoteletts, Kalbsrücken oder Kalbs-Hohrücken bringen genau jene Eigenschaften mit, die ein grosser Cut braucht: eine feine Faser, Zartheit und genug Charakter, um auf dem Grill nicht unterzugehen. Wer also nach Big Cuts mit etwas eleganterem Auftritt sucht, findet beim Kalb eine sehr spannende Alternative zum klassischen Rind. 

Tomahawk, T-Bone und Kalbskotelett: Die grossen Namen am Rost

Das Tomahawk-Steak ist der wohl bekannteste Vertreter dieser Disziplin. Es stammt aus dem vorderen Rücken beziehungsweise dem Rippenbereich des Rinds und trägt seinen Namen wegen des extralangen Knochens, der an ein Beil erinnert. Genau dieser Knochen macht den Cut so spektakulär, aber nicht nur das: Er bringt auch zusätzlichen Geschmack mit. Ein Tomahawk auf dem Rost sorgt immer für Aufmerksamkeit. Je nach Zuschnitt bringt es problemlos mehr als ein Kilo auf die Waage und ist damit eher ein Stück zum Teilen als ein Steak für eine Person. 

Mindestens ebenso klassisch ist das T-Bone-Steak. In seinem T-förmigen Knochen liegt der ganze Reiz dieses Zuschnitts: Auf der einen Seite sitzt das Filet, auf der anderen das Entrecôte beziehungsweise der Roastbeef-Anteil. Das T-Bone stammt aus dem Nierstück, bringt meist ein ordentliches Gewicht mit und vereint zwei Texturen in einem Schnitt. Damit es auf dem Grill sauber funktioniert, sollte es nicht zu dünn ausfallen. Um die gewünschte Garstufe zuverlässig zu treffen, sind kräftige Zuschnitte von 3 cm oder mehr klar im Vorteil. Ein dünnes T-Bone sieht vielleicht nach Steak aus, verhält sich auf dem Rost aber längst nicht so souverän. 

Wer es etwas feiner und weniger rustikal mag, greift zu Kalbsrücken oder Kalbskoteletts. Kalbfleisch bringt eine zarte Struktur und oft eine leicht milde, fast sanft süssliche Aromatik mit. Gerade als grosses Kotelett oder als Stück aus dem Rücken hat es auf dem Grill einen eleganten Auftritt, ohne an Substanz zu verlieren. Es ist nicht so brachial wie ein Tomahawk, aber genau darin liegt sein Charme. 

So werden grosse Cuts richtig zubereitet

Die wichtigste Regel bei Big Cuts lautet: erst Power, dann Ruhe. Ein grosses Stück Fleisch behandelt man nicht wie ein dünnes Minutensteak. Zunächst braucht es starke direkte Hitze, damit sich rundum Röstaromen und eine kräftige Kruste bilden. Danach wechselt der Cut in die ruhigere Phase, also in die indirekte Hitze bei geschlossenem Deckel. Genau dort spielt das grosse Format seinen Vorteil aus. Das Fleisch gart kontrolliert weiter, ohne dass die Oberfläche verbrennt. Für dicke Steaks und grössere Stücke ist diese Kombination aus scharfem Angrillieren und sanftem Nachziehen die verlässlichste Methode.

Beim Gargrad hilft kein Wunschdenken, sondern ein Thermometer. Für Edelstücke vom Rind beginnt der blutige Bereich bei etwa 50 Grad Kerntemperatur, rosa liegt bei ungefähr 60 Grad. Für Kalb ist rosa ebenfalls um 60 Grad ein sehr guter Richtwert. Wichtig ist dabei, das Fleisch rechtzeitig vom Grill zu nehmen: Wer zwei bis drei Grad vor der gewünschten Zieltemperatur stoppt und das Stück danach ruhen lässt, landet meist genauer, weil die Kerntemperatur noch leicht ansteigt. Das ist kein übertriebener Perfektionismus, sondern bei grossen Cuts oft der Unterschied zwischen saftig und schade drum.

Gerade das Tomahawk zeigt gut, wie entspannt grosse Stücke zubereitet werden können. Bei Tomahawks kann auch eine sanfte Vorgarphase, bis im Kern etwa 56 Grad erreicht sind, angewendet werden. Danach wird das Fleisch nochmals über direkter Hitze scharf angrilliert und bekommt eine kräftige, schmackhafte Kruste. Danach folgt eine Ruhepause, ehe tranchiert wird. Das Prinzip dahinter ist immer dasselbe: Hitze für die Kruste, Zeit für den perfekten Kern.

Marinade, Würze und das richtige Mass

Bei grossen Cuts darf die Würzung klar sein, sie sollte das Fleisch aber nicht erschlagen. Rind verträgt eine klassische, kräftige Linie sehr gut: Olivenöl, Knoblauch, grobes Salz, Pfeffer und Kräuter wie Rosmarin oder Thymian passen hervorragend. Beim Kalb darf es etwas frischer und feiner werden.

Hier bringt ein wenig Zitronensaft neben Kräutern eine schöne Spannung ins Spiel. Das Ziel ist nicht, den Eigengeschmack zu überdecken, sondern ihn zu unterstreichen. Marinaden bestehen im Kern aus Fett, Säure und Gewürzen. Sie sollen Aroma geben und können das Fleisch
zarter machen – wenn man ihnen genug Zeit gibt.

Mindestens eine Stunde Marinierzeit ist bei grossen Stücken sinnvoll, besser ist über Nacht. Wer salzt, sollte das entweder früh genug tun (mindestens eine Stunde vorher) oder erst nach dem Grillieren. Kurz vor dem Grillieren zu salzen ist ungünstig, weil dann Saft austreten kann, bevor sich eine schöne Kruste bildet. Pfeffer gehört ohnehin erst nach dem Grillieren auf das Fleisch, weil er über den heissen Flammen verbrennt. Auch hier gilt: Big Cuts verzeihen einiges, aber Gedankenlosigkeit nicht.

Der wichtigste Schritt kommt nach dem Grill

So gross der Auftritt auf dem Rost auch sein mag, entschieden wird vieles erst danach. Ein Big Cut sollte nach dem Grillieren fünf bis zehn Minuten ruhen. In dieser Zeit entspannen sich die Fleischfasern, die Säfte verteilen sich besser im Inneren, und beim Anschneiden bleibt mehr Saft im Fleisch statt auf dem Brett. Erst dann wird tranchiert, und zwar quer zur Faser. Gerade bei einem grossen Stück ist das entscheidend, weil der Biss dadurch zarter wird und jede Scheibe sauber auf den Teller kommt.

Genau hier liegt am Ende auch die eigentliche Stärke der Big Cuts. Sie ändern nicht nur die Art, wie man grilliert, sondern auch die Dramaturgie des Abends.

Das Fleisch kommt als Ganzes vom Rost, wird aufgeschnitten, verteilt, begutachtet, kommentiert. Es entsteht ein gemeinsamer Moment statt eines Services in Etappen. Niemand wartet auf seine Portion, niemand isst schon, während andere noch zum Grill schauen. Big Cuts machen aus dem Grillieren keine Hektikveranstaltung, sondern eine Form von entspannter Inszenierung. Und vielleicht ist genau das ihr grösster Wert: Sie liefern nicht nur Fleisch, sondern einen Anlass.

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