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Ein Patron geht – Abschied von Heinrich Villiger

Am 25. Juli 2025 ist eine Stimme verstummt, die Generationen in der Welt der Zigarren begleitet hat. Heinrich Villiger, der letzte grosse Patron einer Ära, ist im Alter von 95 Jahren friedlich eingeschlafen.

Für uns – und für alle, die Zigarren lieben – ist das mehr als eine Nachricht. Es ist das Ende eines Kapitels, das über Jahrzehnte geschrieben wurde. Es fühlt sich an wie der Moment, in dem ein vertrauter Duft erlischt und man merkt: Dieser Geruch, diese Wärme, kehrt so nie wieder zurück.

Ein Leben voller Leidenschaft

Wer Heinrich Villiger einmal begegnet ist, der hat sie gespürt: diese Ruhe, diesen Stolz, diese Leidenschaft.
Er war kein Manager im modernen Sinne. Er war Gastgeber, Geniesser, Unternehmer aus Überzeugung – einer, der nicht von Zahlen, sondern von Qualität sprach. Einer, der seine Zigarren nicht nur produzierte, sondern lebte.

Bereits mit 20 Jahren trat er 1950 in das Familienunternehmen ein. Damals war die Welt noch eine andere – und die Zigarrenbranche auch. Doch Heinrich Villiger wollte lernen. Also ging er hinaus in die Welt: nach Kuba, Puerto Rico, Brasilien, in die Türkei, die USA. Überall, wo Tabak wuchs, studierte er Böden, Blätter, Klima und Menschen. Er kehrte mit einem Wissen zurück, das sein Leben und sein Unternehmen prägen sollte.

1954 wurde er Teilhaber, und als sein Vater 1966 starb, übernahm er die alleinige Führung. 1989, als sein Bruder Kaspar in den Bundesrat gewählt wurde, ging die ganze Verantwortung endgültig auf ihn über. Von da an war Heinrich Villiger der Patron – unangefochten, klar und kompromisslos.

75 Jahre an der Spitze

Seit 75 Jahren stand er an der Spitze von Villiger, hielt das Unternehmen zusammen, führte es mit einem festen Blick für Tradition und doch mit dem Mut, immer wieder neue Wege zu gehen.

Unter seiner Führung wuchs Villiger von einer kleinen Schweizer Zigarrenmanufaktur zu einem globalen Unternehmen, das heute Zigarren und Zigarillos in über 80 Länder liefert. Die Marke Villiger steht für Qualität, Handwerk und Vertrauen – und das ist vor allem sein Verdienst.

Trotz aller Grösse blieb für ihn die Seele des Unternehmens das Handwerk: die Blätter, die Hände der Torcedores, der Geruch der reifenden Tabakballen. Wer ihm dabei zusah, wie er ein Deckblatt zwischen die Finger nahm und prüfend gegen das Licht hielt, verstand, dass Zigarren für ihn mehr waren als ein Geschäft. Sie waren Kultur, Erbe, Lebensfreude.

Der Patron alter Schule

Heinrich Villiger war ein Mann, der noch an Handschlagqualität glaubte. Der wusste, wie eine gute Zigarre schmecken muss, und der auch im Alter von über 90 noch täglich zwei bis drei Zigarren genoss – weil Genuss für ihn niemals ein Verzicht, sondern eine Haltung war.

Er konnte fordernd sein, ja. Aber er war immer fair. Und vor allem war er loyal: gegenüber seiner Familie, seinen Mitarbeitern, seinen Freunden.

Eine Familie trägt weiter

Sein Verlust reisst eine Lücke – nicht nur bei Villiger, sondern in der ganzen Branche. Doch er hat vorgesorgt. Seine Tochter Corina Villiger, Enkel Lucien Villiger und die nächste Generation führen sein Werk weiter.

An seiner Seite stand zuletzt Jvo Grundler, seit Jahren sein Vertrauter im Verwaltungsrat, der nun das Amt des Verwaltungsratspräsidenten übernimmt – so, wie es Heinrich Villiger selbst geplant hatte. Damit bleibt die Zukunft des Familienunternehmens in den Händen von Menschen, die seine Werte teilen.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Vielleicht ist es das Schönste, was man über einen Menschen sagen kann:
Wer eine Villiger in der Hand hält, spürt bis heute ein Stück von ihm. Seine Werte sind in jedem Produkt, das seinen Namen trägt.

Heinrich Villiger hat Generationen gelehrt, dass Genuss Zeit braucht, dass Qualität nur aus Geduld entstehen kann – und dass man Haltung nicht kaufen kann.

Wir verneigen uns vor einem Leben voller Hingabe, vor einem Patron, der nie aufhörte, an Qualität und Tradition zu glauben – und der der Welt gezeigt hat, dass Genuss ein Stück Kultur ist.

Ruhe in Frieden, Heinrich Villiger.
Die Zigarrenwelt wird ohne dich ein wenig leiser sein.

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