Anzeige

Genuss ist King

Vom Nil an die Bahnhofstrasse, vom Laufsteg auf den Golfplatz: Rania Soliman geht ihren Weg mit Stil, Leidenschaft und dem richtigen Sinn für das Wesentliche. Ein Gespräch über Innehalten, Qualität und die Frage, warum eine Zigarre den richtigen Rahmen braucht.

Es gibt Menschen, die mehrere Welten gleichzeitig bewohnen und in jeder davon vollständig zu Hause sind. Rania Soliman ist so jemand. Bankerin mit internationalem Gewicht. Stylistin mit Kairoer Gespür. Golferin mit Ehrgeiz. Und: Zigarrenliebhaberin mit Überzeugung. Sie ist die Art Frau, bei der man instinktiv etwas gerader sitzt.

Sie empfängt mich pünktlich – die Schweizer Bankenjahre haben Spuren hinterlassen, die guten. Auf dem Tisch liegt ein Zigarrencutter, der aussieht, als käme er aus dem Fundus eines Palazzo. Daneben eine «Leonardo elRey – Connecticut», die darauf wartet, ausgepackt zu werden wie ein wohlbehütetes Geschenk.

TDM: Fangen wir klassisch an: Kairo, Französische Schule, Wirtschaftsstudium, Private Banking in der Schweiz. Wann ist die Zigarre in diese Biografie eingetreten?

Rania: Später als sie sollte – und früher als meine Familie erwartet hatte. (lacht) In der Bankenwelt begegnet man der Zigarre oft. Ich habe lange zugeschaut. Irgendwann habe ich verstanden: Es geht nicht ums Rauchen. Es geht um Innehalten. Um Qualität, die man nicht beschleunigen kann. Das hat mich überzeugt.

Dein Elternhaus in Kairo war streng. Dein Vater war in Ägypten, was in der Schweiz ein Bundesrichter wäre – eine Autorität im eigentlichen Sinne. Wie hätte er auf dich als Zigarrenliebhaberin reagiert?

Mein Vater ist leider nicht mehr bei uns. Aber ich kenne ihn gut genug, um zu sagen: Er hätte geschwiegen. Und dann hätte er wahrscheinlich eine Augenbraue gehoben – das war bei ihm gleichbedeutend mit einem langen Monolog. (lächelt) Er war ein Mann von Haltung und Prinzipien. Aber er wusste auch, was Qualität bedeutet. Vielleicht hätte er sogar heimlich ein wenig Respekt gehabt – wenn auch unausgesprochen. Mein Bruder, ebenfalls Richter, hat jedenfalls gelacht. Herzlich. Das sage ich schon mal vorweg.

Gelacht? Warum das?

Weil er meinen Weg kennt. Ich habe früher Zigaretten geraucht – wie so viele. Dann kam die IQOS-Phase, diese elektronischen Nikotinmaschinen, von denen man sich einredet, sie seien irgendwie moderner. (Pause, skeptisches Lächeln) Und dann habe ich eines Abends eine Zigarre in der Hand gehabt – eine richtige – und gedacht: Das ist es. Das ist der Unterschied zwischen einem Fertiggericht und einem Menü, das jemand mit Liebe gekocht hat. Die IQOS hat seitdem kein Lebenszeichen mehr von mir bekommen. Mein Bruder fand das sehr amüsant. Ich glaube, er war auch ein bisschen stolz.

Und wie oft geniesst du das – täglich?

Nein, überhaupt nicht. Und das ist mir wichtig: Genuss ist King. Eine Zigarre täglich wäre kein Genuss mehr, das wäre Gewohnheit. Ich rauche an einem ruhigen Abend, am Wochenende, wenn die Zeit sich weitet, in den Ferien deutlich mehr. Im Alltag deutlich weniger. Die Zigarre braucht den richtigen Rahmen – das richtige Licht, das richtige Gespräch, die richtige Stille. Wenn dieser Moment da ist, dann vollständig. Wenn nicht, dann gar nicht.

Was rauchst du in diesen Momenten?

Je nach Stimmung. Tagsüber, nach intensiven Stunden, greife ich gerne zur «Leonardo elRey – Connecticut» – sie ist elegant, nicht zu schwer, mit einer wunderbaren Cremigkeit. Abends, mit einem guten Glas Wein, kommt die «El Viejo – Habano» – das ist eine andere Welt. Tiefer, komplexer, sehr erfüllend. Die Zigarre muss zur Stimmung passen wie das richtige Kleid zur Einladung.

Hast du einen festen Anlaufpunkt für deine Zigarren?

Ja – Manfred Wittenburg, ein ausgewiesener Kenner im Zigarrenumfeld. Seine Empfehlungen haben mich noch nie enttäuscht. Wenn er sagt «das wird dir gefallen», dann stimmt das. Mehr braucht man eigentlich nicht.

Du sprichst Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch – alle fünf fliessend. Ist das Talent, Fleiss, oder einfach ein Leben, das keine Wahl liess?

Ein Leben, das keine Wahl liess – und das ich nie bereut habe. (lacht) Arabisch ist die Muttersprache, Französisch und Englisch kamen mit der Schule, dem Studium und dem Banking. Deutsch war die Schweiz. Und Italienisch ist die Sprache der Mode, der Eleganz, der Ästhetik, des Gefühls für das Schöne. Kein Zufall, dass mein Styling-Label «La Giulietta Styling Consultancy» heisst und nicht «Die Julietta Stilberatung» (lächelt). Im Beruf ist Mehrsprachigkeit natürlich ein enormer Vorteil – besonders im Private Banking, wo Vertrauen entsteht, wenn jemand in der Sprache der Familie spricht, nicht nur in der Sprache des Vertrags. Aber ehrlich gesagt: Die schönsten Momente mit einer Sprache sind jene, in denen man nicht nur die Worte versteht, sondern die Kultur der Menschen, die sie sprechen.

Du bist Direktorin in einer renommierten Schweizer Bank und betreust ägyptische Familien. Was schätzen deine Klientinnen und Klienten an dir?

Das müsstest du sie selbst fragen. (lächelt) Aber ich glaube: Verlässlichkeit. Diskretion. Und das Verständnis dafür, was eine Familie aus Ägypten wirklich bewegt – kulturell, familiär, wirtschaftlich. Man kann Vermögen nicht betreuen, ohne den Menschen dahinter zu verstehen. Ich kenne diese Welt von innen. Ich bin mit denselben Werten aufgewachsen: Familienehre, Verantwortungsbewusstsein, der Wunsch, die nächste Generation abzusichern. Wenn meine Klienten merken, dass ich das nicht nur verstehe, sondern lebe – dann entsteht Vertrauen. Und das ist im Private Banking alles.

Du hast am renommierten London College of Fashion studiert und dich anschliessend an der Schweizer Fachhochschule Koloristika zur Farb- und Modestilberaterin sowie zur Personal Stylistin ausbilden lassen. Ein zweiter Beruf auf höchstem Niveau. Wie kam es dazu?

Es war immer da – dieses Auge für Menschen, für das, was sie strahlen lässt. Die Ausbildungen haben dem eine Sprache gegeben. Das London College of Fashion hat mir die internationale Perspektive gegeben, das Handwerk, die Theorie hinter dem, was ich instinktiv gespürt habe. Und Koloristika in der Schweiz hat mich gelehrt, wie man das präzise auf eine Frau anwendet – ihre Farben, ihre Proportionen, ihre Geschichte. Farb- und Modestilberatung ist keine Meinung. Es ist Analyse. Und dann Intuition obendrauf.

Und «La Giulietta Styling Consultancy» war die logische Konsequenz?

Ja – aber auf einem Umweg, den ich heute als Geschenk sehe. Als mein Sohn zur Welt kam, war klar: Mit einem Baby und danach einem Kleinkind gleichzeitig für eine Schweizer Topbank zu arbeiten, wäre schlicht zu viel gewesen. Nicht für mich – ich hätte es irgendwie geschafft. Aber das Kind hätte gelitten. Mami wäre immer abwesend gewesen. Das wollte ich nicht. Und so habe ich in dieser Zeit etwas realisiert, das immer neben dem ernsten Private Banking existiert hatte: einen Traum, eine Berufung. Ich habe das London College of Fashion absolviert, dann Koloristika in der Schweiz. Viel Fernstudium und Präsenzzeiten in den Schulen, die ich verantworten konnte. Als ich dann anschliessend nach Kairo zurückgegangen bin, habe ich La Giulietta Styling Consultancy aufgebaut. Irgendwann war es nicht mehr nur Beratung unter Freundinnen, es wurden Aufträge, Produktionen. TV-Werbungen, Modeschauen, Photoshoots und Kollaborationen mit ägyptischen und internationalen Marken. Irgendwann brauchte das einen Namen. «La Giulietta» – leicht, romanisch, feminin, mit Charakter. Das ist meine Ästhetik. Keine schwere Opulenz. Eleganz, die atmet.

Du hast Heidi Karam, Sherine Hamdy und Zeina El Naggar gestylt – Frauen, die in Ägypten und der Region jeder kennt. Was bedeutet es, jemandem zu helfen, der selbst bereits ein starkes Bild von sich hat?

Das ist die grösste Herausforderung – und das Schönste zugleich. Heidi Karam ist Schauspielerin und TV-Persönlichkeit; sie weiss genau, wie sie wirkt – aber sie lässt sich darauf ein, neu zu schauen. Sherine Hamdy als TV- und MC-Hosterin braucht einen Auftritt, der trägt – durch lange Drehtage, durch verschiedene Kameraperspektiven, durch Energie, die nicht nachlässt. Und Zeina El Naggar, als eine der bekanntesten Make-up-Artistinnen Ägyptens, ist selbst ein Profi des Auftritts. Mit ihr zu arbeiten war ein Dialog auf Augenhöhe. Bei allen dreien gilt dasselbe: Ich bringe nicht meine Vorstellung von ihnen. Ich bringe die stärkste Version von dem, was sie bereits sind. Das ist der Unterschied zwischen Styling und Verkleidung.

Die Reaktionen des Publikums gaben dir recht – und schon bald sasst du selbst vor Kamera und Mikrofon.

Das war nicht geplant. (lacht) Aber die Sender merkten, dass das Thema die Menschen bewegt. Styling ist nicht oberflächlich – es berührt, wie eine Frau sich selbst wahrnimmt. Ich war in verschiedenen ägyptischen und nahöstlichen Sendungen zu Gast, habe meine Sicht auf Stil, Farbe und Wirkung geteilt. Es war jedes Mal ein schönes Gespräch. Und ein bisschen surreal – weil ich eigentlich lieber hinter der Kamera bin.

Gibt es eine Verbindung zwischen dem, was du im Styling tust, und dem, was du in der Bank tust?

Eine sehr direkte. In beiden Fällen arbeite ich mit Menschen, die etwas Wichtiges in meinen Händen lassen – ihre Wirkung nach aussen, oder ihr Vermögen. Beides erfordert dasselbe: Zuhören, Einschätzen, Verantwortung tragen, und niemals den Menschen aus dem Blick verlieren. (Pause) Und in beiden Welten gilt: Der erste Eindruck zählt. Aber der zweite entscheidet.

Man hat vom Zigarrenraucher ein bestimmtes Bild: gemütlich, englischer Lederstuhl, Cognac in der Hand. Du hingegen trainierst fast täglich. Wie passt das zusammen?

(lacht) Das ist mein Lieblingsmissverständnis. Ich trainiere früh morgens und über Mittag – das gehört zu meinem Tag wie der Kaffee. Der Abend aber gehört der Familie. Dem Zusammensein. Dem gemeinsamen Geniessen des Lebens. Und manchmal – nicht immer, aber wenn, dann richtig – gehört dazu auch eine gute Zigarre. Das ist kein Widerspruch zum Sport. Das ist der Ausgleich. Tagsüber der Körper, abends die Seele. Beides braucht seinen Platz.

Du spielst Golf, dein Sohn ist mit 17 bereits ernstzunehmender Wettkampfspieler. Zigarre auf dem Golfplatz – geht das zusammen?

(lacht) Theoretisch zwischen Loch 9 und 10, wenn man kurz innehalten kann und die Ruhe des Platzes geniesst – aber das ist nichts für mich. Ich möchte mir Zeit nehmen, um zu geniessen. Ich denke, mein Sohn wäre entrüstet, wenn ich auf dem Golfplatz rauchen würde. Aber gegen eine feine Zigarre nach dem Spiel ist bestimmt nichts einzuwenden.

Hat er Ambitionen in Richtung Zigarre?

Nein, und das ist auch gut so. Wenn er erwachsen ist, kann er tun und lassen, was er will. Aber Rauchen ist heute kein Thema.

Dein Mann hat dich in die Welt der Zigarren eingeführt – und beklagt sich jetzt manchmal, dass du anspruchsvoller bist als er. Stimmt das?

(mit gespielter Unschuld) Ich weiss nicht, wovon du sprichst. (Pause) Ja. Es stimmt. Er hat das sehr schön formuliert: Er hat ein Monster erschaffen, das den Schöpfer übertrifft. Ich finde das ein Kompliment.

Was empfiehlst du Frauen, die noch zögern?

Zögern ist in Ordnung – ausprobieren auch. Mit der richtigen Zigarre, in der richtigen Gesellschaft, ohne Erwartungsdruck. Zigarren sind nichts für eine bestimmte Kategorie von Menschen. Sie sind für alle, die Qualität und Langsamkeit als Pendant zur Hektik des Alltags zu schätzen wissen. Und das sind wir Frauen, glaube ich, ganz besonders.

Anm. d. Red.: An dieser Stelle lehnt sich Rania mit einer «El Viejo – Habano» zwischen den Fingern zurück. Das Gespräch ist zu Ende. Der Abend beginnt. Manche Menschen wissen genau, wann der richtige Moment ist – und wie man ihn geniesst.

Zur Person

Rania Soliman: Aufgewachsen in Kairo, Französische Schule, Studium der Wirtschaftswissenschaften. Ihr Vater war einer der angesehensten Richter Ägyptens. Fliessend in fünf Sprachen – Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Direktorin einer renommierten Schweizer Bank, spezialisiert auf Private Banking für ägyptische Familien, die ihre Verlässlichkeit, Diskretion und kulturelle Kompetenz schätzen. Ausgebildet am London College of Fashion sowie an der Schweizer Fachhochschule Koloristika (Farb- und Modestilberatung, Personal Stylist). Unter dem Label La Giulietta Styling Consultancy hat sie Persönlichkeiten wie die Schauspielerin und TV-Präsentatorin Heidi Karam, die TV- und MC-Hosterin Sherine Hamdy sowie die renommierte Make-up-Artistin Zeina El Naggar gestylt; Styling für TV-Werbungen, Modeschauen, Photoshoots und Kollaborationen mit ägyptischen und internationalen Marken. Selbst mehrmals Gast in ägyptischen und nahöstlichen TV-Sendungen. Mutter eines 17-jährigen Golftalents, aktive Golfspielerin. Zigarrenliebhaberin mit klarem Geschmack und klarer Philosophie – Genuss ist King.

de_CHDE
Lust auf mehr Genuss?

Lust auf mehr Genuss?

Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter und verpassen Sie keine exklusiven Geschichten, Trends und Inspirationen rund um Tabak, Drinks & mehr.

Vielen Dank für Ihren Eintrag!