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Gin und was man über ihn wissen muss

13. April 2021
Von Erfolg gekürt: Gin hat hierzulande vor ein paar Jahren wie eine Streubombe eingeschlagen. Nach Jahren des Nischendaseins werden wir heute mit einer schier astronomischen Anzahl von Gins aus allen Ländern konfrontiert. Da verlieren selbst die Profis schnell den Überblick. Nicht jeder weiss jedoch, was Gin ist und welche Arten es davon gibt. Das wollen wir im Folgenden unter die Lupe nehmen.

Gin wird aus Ethylalkohol gewonnen (eigentlich Vodka, wenn man so will) und mit Wachholderbeeren und weiteren sogenannten «Botanicals» verfeinert. «Botanicals» können alle möglichen Kräuter, Wurzeln, Blüten, Rinden oder Blätter sein, auch Gewürze. Der Wachholdergeschmack muss jedoch vorherrschend bleiben, sonst ist es kein Gin. Vielen Gins, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, fehlt es an dieser Dominanz des Wachholders – und sind deshalb eigentlich falsch deklariert – es sind Kräuterbrände.

Gin kann auf verschiedene Arten hergestellt werden und es gibt unterschiedliche Qualitäten. Hier die Wesentlichen:

«Gin»

Zum Ethylalkohol dürfen natürliche oder künstliche Aromastoffe beigefügt werden. Es erfolgt keine Destillation. In der Regel werden die Botanicals im Alkohol mazeriert (d.h. die Aromastoffe durch den Alkohol extrahiert) und danach wird der «Gin» filtriert und auf die gewünschte Trinkstärke versetzt.

«Destillierter Gin»

Der Ethylalkohol wird erneut destilliert, unter Zugabe von zugelassenen natürlichen oder künstlichen Aromastoffen oder -extrakten. Es ist erlaubt, nach der Destillation Ethylalkohol oder künstliche oder natürliche Aromastoffe zuzusetzen. Zuckerung und Färben ist erlaubt.

«London Gin / London Dry Gin

Ebenfalls durch die erneute Destillation von Ethylalkohol aber unter ausschliesslichem Zusetzen von pflanzlichen Stoffen gewonnen. Nach der Destillation darf Ethylalkohol zugesetzt werden, sonst aber nichts: Färben und Süssen sind nicht erlaubt. Der «London Gin / London Dry Gin» ist die reinste Art von Gin und hat die höchste Qualität.

Daneben gibt es den «Sloe-Gin», was eigentlich kein «Gin» ist, sondern ein Likör, gewonnen aus den Früchten des Schlehdorns und versetzt mit Gin und zusätzlich gezuckert ist.

Gin und was man über ihn wissen muss

Haben in letzter Zeit an Dominanz im Gin verloren: Wachholderbeeren.

Entscheidend für den Charakter und den Erfolg eines Gins ist eine harmonische Abstimmung der Botanicals. Eine Vielzahl von Produzenten greifen hierzu auf «klassische» Gin-Botanicals zurück, wie z.B. – neben dem Wachholder – Koriandersamen, Bitterorange, Zitrone und Angelikawurzeln und verfeinern dann diese «Grundrezeptur» nach eigenem Rezept, oftmals unter Verwendung von lokalen Botanicals. Dies kann grundsätzlich wiederum alles sein, was pflanzlichen Charakter hat, von der Himbeere bis hin zur Enzianwurzel.

In den letzten Jahren haben sich «modern Gins» etabliert, die auf die Dominanz vom Wachholder verzichten und Zitrusnoten in den Vordergrund stellen. Das sind an und für sich keine Gins, haben sich aber als solche etabliert: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Der Gin und das Tonic

Gin wird in der Regel nicht ausschliesslich pur getrunken, sondern «on ice» und in den meisten Fällen als «Gin & Tonic», d.h. unter Beigabe eines Tonics, hergestellt aus den Extrakten der Chinarinde. Der Markt für Tonic Water ist in den letzten Jahren sehr breit geworden, man kann unter einer Vielzahl von verschiedenen Tonics und aromatisierten Tonics auswählen. Es ist natürlich vor allem eine Frage des persönlichen Geschmackes, welches Tonic am besten zum Lieblingsgin passt. Allerdings ist zu beachten, dass einige Tonics stark überzuckert sind und im Gin Tonic das Aroma des Gins stark abdämpfen.
Nahezu täglich kommen neue Gins auf den Markt, viele davon sind «Marketing-Gins» von Branchenfremden, die weder über eine eigene Destillerie noch eigenes Know-How verfügen, sondern bei denen die Konzeption und das Packaging Garant für den Erfolg sein sollen. Man spricht auch von der Renaissance des Gins. Das ist absolut zutreffend, denn noch nie in der Geschichte war die Auswahl an Gins und das Interesse der Konsumenten grösser. Von einer «Gin-Bubble» zu sprechen, wäre allerdings noch verfrüht. Im Moment bildet sich der Markt noch weiter aus und mit einer Konsolidation kann erst in einigen Jahren gerechnet werden. Freuen wir also bis dahin der grossen Auswahl an Gins!