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Im Innersten bin ich ein Familienmensch

Jovica Jovanovic, von allen kurz Jova genannt, kann anpacken, sich begeistern, golfen und Networking betreiben. Er war erst knapp über 30 Jahre alt, als er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Mit seiner Firma für Gartengestaltung und Hauswartung ist er äusserst erfolgreich – und nun auch mit seiner eigenen Linie «JJ Cigars».

Jova, was hast du lieber in der Hand: eine Zigarre oder einen Laubbläser?

Hat beides mit Luft zu tun… nur beim einen sollte man ziehen…
Also schon lieber eine Zigarre.

Wieso?

Zigarre, das hat mit geniessen zu tun. Die Zigarre bedeutet eine Erholungsphase zu dem, was man tagsüber arbeitet, sei es mit der Schaufel oder dem Laubbläser. Es ist schon so, dass ich vor allem in der Administration tätig bin, denn wir sind mittlerweile ein Unternehmen mit 30 Angestellten. Nicht, dass ich ungern eine Schaufel in die Hand nehme, aber dafür fehlt schlicht die Zeit. Oft arbeite ich aber am Samstag bei langjährigen Kunden, weil die mich gerne persönlich sehen wollen. Dort kann ich mich verwirklichen und im Gärtnerberuf werken.

Dein Unternehmen ist also ganz schön gewachsen, nachdem du 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hast. Wie kam es dazu?

Der Wunsch selbstständig zu sein kam sehr früh. Ich machte die Lehre in der damaligen Firma meines Vaters, der auch als Gärtner arbeitete. Ich konnte ihn schon als Jugendlicher samstags begleiten und mithelfen. Mein Vater war aber dagegen, dass ich die gewünschte Gärtnerlehre absolvierte.

Obwohl selber Gärtner, war er gegen deinen Berufswunsch?

Ja, das kommt daher, dass dies in Serbien kein angesehener Beruf war. Aus der Sicht meines Vaters war diese Tätigkeit zu einfach für mich. Er sah mich in einem Beruf, der mehr Anerkennung geniesst, Koch zum Beispiel oder Automechaniker.

So hast du folgerichtig eine Automechaniker-Lehre begonnen…

… und nicht beendet. Ich habe abgebrochen, weil es mir nicht gefiel, immer am gleichen Ort zu sein. Ich bin viel lieber draussen, in der Natur, an verschiedenen Orten und mit den verschiedensten Leuten. Es gefällt mir, dass kein Tag gleich aussieht, nur schon wegen des Wetters, das täglich ändert, oder wegen der Jahreszeiten.

Schlussendlich hast du dich aber durchgesetzt und erfolgreich eine Gärtnerlehre absolviert.

Genau, auch mein Vater hat gesehen, dass es mir Freude macht und so arbeiteten wir noch zusammen im gleichen Betrieb. Unser Chef hat mir während der Lehre viel Verantwortung übertragen und wenn er abwesend war, war ich bereits im 3. Lehrjahr seine Vertretung. Zeitweise war ich folglich der Vorarbeiter meines Vaters, aber ich hörte immer auf seinen Rat, denn er besass natürlich damals mehr «Know-how» als ich.

War er auch ausserhalb des Berufs dein Vorbild?

Auf jeden Fall. Mein Vater spielte eine grosse Rolle in meinem Leben. Leider ist er 2007 viel zu früh verstorben. Aufgewachsen bin ich bei meiner Tante in Serbien, während meine Eltern hier in der Schweiz arbeiteten. Ab der 2. Primarklasse wohnten meine Schwester und ich auch in der Schweiz und haben hier die Schulen durchlaufen.

War es schwierig für dich, mit diesen zwei Kulturen klar zu kommen?

Als Kind nicht. Ausser, wenn die Eltern in die Sommerferien kamen, dann waren wir zusammen und alles war schön – bis das Ferienende nahte, sie wieder in die Schweiz zurückmussten und es sich immer so anfühlte, als würde man alleine gelassen. Der Familiennachzug in der Schweiz war damals viel schwieriger, besonders, wenn beide Eltern arbeiteten. Die Chefin meiner Mutter bürgte schliesslich für uns, verschaffte uns eine grosse Wohnung und so waren wir als Familie wieder in der Schweiz vereint. Meine Mutter hatte zwei Jahrzehnte als Köchin im «Gran Café» am Limmatquai gearbeitet und ich durfte bis zu meinem 17. Lebensjahr mittags dort essen gehen.

Warst du zu jener Zeit das einzige Kind mit Migrationshintergrund in deiner Klasse?

Nein, unsere Klasse im Zürcher Seefeld war schon recht durchmischt und ich war auch nicht das einzige Kind aus dem damaligen Jugoslawien. Lustig war, dass die Lehrpersonen ein Mädchen erwartet hatten, wegen meines Vornamens: Jovica.
Dies weil er mit der weiblichen Endung -a endet, was jedoch in Serbien kein Hinweis auf das Geschlecht ist. Auch heute erhalte ich manchmal noch einen Brief mit der Anschrift Frau Jovica Jovanovic

Nach Schulzeit und Lehre kamen die Familiengründung und die eigene Firma. Und wann kam die erste Zigarre, dein Einstieg in die Genusswelt?
Das war in Kuba, wo ich 2010 mit meiner Frau die Ferien verbrachte. Ich glaube, es war eine «Montechristo». Schon vor Kuba – nach der Geburt des ersten Sohnes – hatte ich aufgehört, Zigaretten zu rauchen. Bei einem Ausflug in eine Zigarrenfabrik konnten wir auch einen Blick in die Produktion werfen. Ich nahm dann einige Zigarren aus Kuba mit, rauchte jedoch zuhause höchstens eine pro Monat.

Erst nachdem ich 2016 Mitglied im «Real Estate Club» wurde und dort Mitscho kennenlernte, habe ich mehr geraucht und mich intensiver mit der Zigarrenwelt beschäftigt.

Was ist der «Real Estate Club»?

Im «REC» treffen sich Unternehmer, vor allem aus der Bau- und Immobilienbranche, die Networking mit Genuss und Kameradschaft verbinden. Ich habe dort Mitscho getroffen, ein super Typ, der ebenfalls eine eigene Zigarren-Linie hat und der zu einer Art Vorbild für mich geworden ist. Er hat mir das Tor zur Zigarren-Welt geöffnet und mir alles erklärt, und auch geholfen, als ich mit der Idee der eigenen Zigarren-Linie daherkam.

Heute führe ich mit dem immoClub33 selber einen solchen Club, in dem genau diese Mischung aus Austausch, Genuss und guten Kontakten gepflegt wird.

Kaum in der Zigarren-Welt angekommen und schon eine eigene Linie?

Ja, das war 2019. Wir flogen in die Dominikanische Republik und konnten dort die erste Zigarre für «JJ Cigars» produzieren lassen. Um genau zu sein: Sie war ursprünglich für eine Zigarren-Lounge, die ich neben meinem Geschäft in Kloten eröffnen wollte, gedacht. Schlussendlich klappte es nicht mit der Lounge, aber die Idee eines eigenen Zigarrenklubs liess mich nicht mehr los. Jetzt bin ich seit 2024 Mitaktionär im «Timeout» in Schlieren, der Zigarren-Lounge mit Golfsimulator.

Und wie lief es mit «JJ Cigars»? Du bist ja nicht der erste mit einer eigenen Zigarren-Linie?

Natürlich nicht, aber so darf man nicht denken, sonst packt man nie etwas an. Ich bin von Grund auf sowieso optimistisch. Ich denke immer, es wird schon klappen, man muss einfach dran glauben, die Kosten im Griff haben und einen langen Atem. Man darf nicht erwarten, dass man schon nach wenigen Jahren Hunderttausende von Zigarren verkauft.
Wie bist du genau vorgegangen?

Ich habe bei der ersten Produktion gleich mal 5000 Stück liefern lassen – dies gab einen besseren Preis als eine Kleinstmenge. Und ich sagte mir, ich versuche sie zu verkaufen und wenn es nicht klappen sollte, dann rauche ich sie halt selber. Da ich auch an viele Events eingeladen war, brachte ich oft die Zigarren mit, das war manchmal auch ein Gegengeschäft für Sponsoring, oder für den Eintritt. So kamen meine Zigarren zu den Leuten, zur potentiellen Kundschaft. Eine gute Idee war auch, Zigarren mit einer persönlichen Banderole, also auf Wunsch, zu verkaufen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern kann man bei mir bereits kleinere Mengen von 100 bis 500 Stück mit der eigenen Banderole kaufen.

Hast du schon das nötige «know how» oder fliegst du dafür immer wieder mal in die DomRep?

Ich fliege immer wieder mal dorthin, um zu testen. Das «know how» habe ich erworben, aber natürlich nicht auf dem Niveau der dortigen Produzenten. Ich verlasse mich auch auf sie. Am Anfang hat mir René Bleiker, Catering-Chef der Fluglinie Edelweiss, Produzenten vorgestellt, und bei einer weiteren Reise in die DomRep habe ich ein Auto gemietet und bin mit meiner Frau innert sechs Tagen etwa 3500 km von einem Produzenten zum anderen gefahren. Im letzten November war ich zudem in Nicaragua, genauer gesagt in Estelí und Jalapa. Dort habe ich mir ebenfalls viel angeschaut und eine neue Zigarrenlinie für mich machen lassen.

Und wer kümmert sich heute um «JJ Cigars»? Du allein?

Ja, ich investiere momentan sehr viel Zeit ins Zigarren-Geschäft. In den letzten Monaten habe ich wohl mehr als die Hälfte meiner wöchentlichen Arbeitszeit in «JJ Cigars» gesteckt.

Wieso? Läuft es so gut?

Einerseits, weil es gut läuft und stetig wächst, und andererseits, weil ich noch Events organisiere, zum Beispiel den «rolling smoke». Dies ist ein Zigarren-Event, der morgens mit einem Golf-Turnier beginnt und abends mit einem Galadinner endet. Dabei geben wir den kleinen, unabhängigen Importeuren sowie neuen Marken eine Bühne. Es gab auch eine Whiskey-Bibliothek und man konnte Weine aus Serbien degustieren. Vor zwei Jahren starteten wir mit 60 teilnehmenden Golfern und im letzten Jahr kamen bereits über 100 Golfer und rund 280 Besucher.

Wir hatten beim letzten Event 9 Aussteller dabei, sogenannte «private labels», die beim «rolling smoke» mehr beachtet werden wie an einem Event, wo die ganz Grossen im Fokus stehen.

An diesem Event könnte ich sicher auch eine «JJ Cigar» erwerben und rauchen. Wo sind deine Zigarren sonst noch erhältlich?

In Zigarren-Lounges wie dem «Timeout» in Schlieren oder dem «Don Alejandro’s» in Dietlikon, in Restaurants wie dem «Hönggerhof» oder der «Stapferstube» in Zürich und natürlich auch online. Viele die mich kennen, holen die Zigarren bei mir im Geschäft in Kloten ab.
Wir sind jetzt auch dran, «JJ Cigars» in Serbien und Österreich zu platzieren.

Das stelle ich mir eher etwas schwierig vor, in den serbischen Markt zu gelangen…

Es ist sicher nicht einfach, aber wir haben bereits gute Kontakte zur Besitzerfamilie des «Casa del Habano» in Belgrad. Diese Familie ist seit 20 Jahren im Zigarrengeschäft, produziert auch eigene Zigarren und hat 700 Verkaufsstandorte in Serbien. Mein Ziel ist nicht, in Serbien ein grosser Player im Zigarrenbusiness zu werden, doch es wäre schön, vor allem in der Schweiz, aber auch in Serbien «JJ Cigars» verkaufen zu können.

Gleichzeitig funktioniert diese Verbindung auch in die andere Richtung: Neu importiere ich die Linie «Despot Cigars» in die Schweiz. Das ist für mich eine schöne Ergänzung, weil hinter dieser Marke ebenfalls eine serbische Familie steht, die seit vielen Jahren mit Zigarren verbunden ist.

Zigarren sind das eine – in deinem online-Shop gibt es aber noch mehr?

Ich biete noch «Lazar Rakija» an, einen Obstbrand in verschiedenen Sorten: Birne, Quitte, Pflaume, Traube und Himbeer. Der «Cigar Plum» (Pflaume) wird aus vier Sorten hergestellt. Jede wird separat gebrannt, und dann wird die Mischung fünf Jahre lang im Eichenfass gelagert. Das passt sehr gut zu einer feinen JJ Cigar.

Und wie läuft es mit den Getränken? Gehst du zum Grossverteiler?

Nein, das nicht. Aber es läuft natürlich wieder über Beziehungen. Ich biete die «Lazar Rakija» an. Man kann probieren, und wenn’s gefällt, kann gekauft werden. Ziel wäre es aber natürlich auch, mit Restaurants ins Geschäft zu kommen, damit meine Obstbrände in hiesigen Lokalen genossen werden können. Im Moment können sowohl meine Zigarren als auch der Rakija direkt über meinen Online-Shop bestellt werden.

Weitere Ziele? Lass hören …

Im Hinterkopf habe ich natürlich, dass, wenn ich noch etwas älter bin, mein Sohn die Gartenbaufirma übernimmt und ich mich vermehrt um das Geschäft mit den Genussmitteln kümmern kann. Das ist kein offizieller Plan, aber es wäre schön, wenn er in ein paar wenigen Jahren sagt: «Ich möchte übernehmen» – dann bin ich auch bereit, loszulassen. Mein Sohn unterstützt mich jetzt schon stark, was eine riesige Freude für mich ist, und auch meine Frau ist seit vielen Jahren in meine Firmen involviert: Sie ist fürs Personal und für die Buchhaltung zuständig und überhaupt eine sehr grosse Hilfe für mich.

Daneben hast du noch viele Mitarbeiter. Was denkst du, wie sie dich beurteilen?

Ich bin sicher, dass sie denken, ich sei sehr streng, manchmal zu streng. Sie finden, ich müsste etwas lockerer werden. Aber ich habe auch ein offenes Ohr, wenn sie etwas brauchen. Und ich fordere nicht nur von ihnen, sondern auch von mir selber. Ich bin zum Beispiel fast jeden Morgen um sechs Uhr, manchmal vor sechs Uhr, im Büro. Je nach Auftrag bin ich auch samstags oder sonntags im Geschäft aktiv.

Da erübrigt sich die Frage nach Hobbies … da fehlt dir wohl die Zeit?

Ich liebe es, zu golfen. Ich habe 2020 damit angefangen, und auch wenn die Zeit knapp ist, wie du richtig sagst, so ist mein Ziel, dass ich einmal die Woche, manchmal sogar zweimal, Golf spielen kann. Ich liebe auch hier, dass ich im Freien und mit anderen Menschen zusammen sein kann. Zusätzlich ist es natürlich immer eine Gelegenheit, das Netzwerk spielen zu lassen und aktuelle oder zukünftige Geschäftspartner zu treffen.

Und was kommt bei dir als Nächstes? Bei dir klingt es ja nicht so, als würdest du dich jetzt gemütlich zurücklehnen.

Nein, sicher nicht. Stillstand ist nicht so mein Ding. Es kommt in nächster Zeit einiges – aber ich darf natürlich noch nicht alles verraten.

Sehr speziell ist für mich, dass wir schon bald eine neue Zigarrenmarke in die Schweiz bringen dürfen: jene von Mihajlo Šaulić, dem Sohn von Šaban Šaulić, einem der bekanntesten serbischen Sänger überhaupt. Šaban war für viele Menschen im Balkan eine absolute Legende. Mihajlo hat diese Zigarren zu Ehren seines Vaters geschaffen, der im Februar 2019 verstorben ist. Dass ich diese Zigarren nun importieren und in der Schweiz verkaufen darf, ist für mich nicht einfach nur ein weiterer Business-Schritt. Da steck auch viel Emotion und Verbundenheit mit drin.

Daneben wird unser Sortiment um fünf neue Zigarrenlinien erweitert: vier aus Nicaragua und eine aus der Dominikanischen Republik, jeweils in zwei Formaten pro Linie. Eine davon ist sogar eine Limitada, von der nur 2500 Stück produziert wurden. Mehr verrate ich dazu aber noch nicht – sonst habt ihr im Herbst ja nichts mehr zu schreiben. (lacht)

Und auch bei den «JJ Cigars» selber passiert einiges. Wir werden schon bald eine neue Linie lancieren, die gleich mit zehn Formaten daherkommt. Vorgestellt wird sie im August 2026 am «Rolling Smoke». Darauf freue ich mich sehr, weil dieser Event genau die richtige Bühne dafür ist.
Wer mich bereis vorher hören oder sehen möchte: Ende Mai ist der Podcast «Cigar Society» gestartet, den ich gemeinsam mit Tobias Hüberli, Redaktor des Magazins «Cigar» mache. Die Idee dazu kam von mir, und daraus ist nun ein Format rund um Zigarren und Genuss entstanden. Geplant sind zwei Folgen pro Monat. Es läuft also einiges – aber genau so macht es mir Spass.

Und wo stehst du in 10 Jahren?

Am liebsten hätte ich es so, wie es momentan ist – mit der bereits erwähnten Übergabe im Geschäft – und privat: Meine Frau und ich wünschen uns noch ein Kind.

Denn trotz meiner beruflichen Aktivitäten und einer gut gefüllten Agenda bin ich im Innersten ein ausgesprochener Familienmensch.

Lieber JJ: Wir wünschen dir, dass es genauso herauskommen möge und bedanken uns herzlich für das Gespräch.

Interview: Peter Intderbitzin

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