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Mit dem Genussschiff ins Kontor

Paloma Szathmary ist die eine Hälfte der Paloma Romeo & Friends GmbH, welche beste Zigarren für beste Freunde produziert. Und dann ist da noch ihr Kontor, sowie ein Verein, der wie ein berühmter Rocksong heisst, dazu ein Schiff auf dem Zürichsee und ein Country Radio: Der Versuch einer Annäherung an eine kreative, konstruktive und kommunikative Persönlichkeit.

TDM: Paloma – übersetzt: die Taube, ein Friedenssymbol. Bist du auch friedliebend?

Paloma: Sehr. Friedliebend und harmoniebedürftig. Die Menschen um mich herum sind das Wichtigste für mich, ich bin ein richtiger Familien- und Freundesmensch. Ich weiche zwar einem Konflikt nicht aus, dann aber offen und ehrlich, und am liebsten mit einem positiven Ende.

Was zeichnet dich sonst noch aus?

Wie gesagt, ich bin ein Familienmensch und ich definiere Familie nicht nur als den engeren Kreis, in den ich hineingeboren wurde, sondern meine Freunde und die wichtigsten Mitarbeitenden meiner beruflichen Tätigkeiten gehören auch zu meiner Familie. Ich bin überzeugt, dass es kein Zufall war, dass ich in die Tabakbranche hineingerutscht bin, denn z. B. in der Dominikanischen Republik bei den Tabakpflanzern ist alles Familie, alle gehören zur Grossfamilie und ich wurde ebenfalls herzlich aufgenommen.

Da gibt es noch eine Beziehung zwischen deiner Familie und dem Tabak?

Richtig. Ich hatte eine wundervolle Grossmutter, Doña Victoria, die ein Tabakgeschäft im Hafen von Tarragona, Spanien, betrieb und mich sehr geprägt hat. Die ganze Stadt kannte sie und ich verbrachte in meiner Kindheit und Jugend viele Sommerferien in Tarragona. Ich war lieber den ganzen Tag im Tabakfachgeschäft meiner Grossmutter, als mit meiner Mutter am Strand zu sonnen. Schon als kleines Kind durfte ich mithelfen und verkaufte Schleckstängel sowie die damals meistverkauften «Fortuna» und «Ducados»-Zigaretten – beide Artikel kosteten gleich viele Peseten.

Viele Kinder würden wohl lieber an den Strand; was gefiel dir denn so?

Es war die ganze Atmosphäre des Tabakladens, die mich faszinierte und meine Grossmutter war eine sehr liebenswürdige und intelligente Frau. Und vor allem: Es lief ständig etwas, es war ein Kommen und Gehen in diesem kleinen Laden.

Aber diese Personen sprachen doch eine für dich exotische Sprache?

Nein, ich bin zweisprachig aufgewachsen. Meine Mutter lernte mich ihre Muttersprache, mein Vater sprach Schweizerdeutsch mit mir und meiner Schwester und Spanisch mit unserer Mutter. Er war mit seiner Familie 1956 aus Ungarn in die Schweiz geflohen, aber seine Muttersprache habe ich leider nie richtig gelernt.

Ist der Tabakladen heute noch im Familienbesitz?

Leider nein. Meine Mutter war als Nachfolge vorgesehen, doch sie wollte in den 60er-Jahren zuerst einen Auslandaufenthalt machen. Sie kam für ein halbes Jahr nach Wetzikon, aber das Schicksal hatte offenbar andere Pläne. Sie lernte an der Wetziker Chilbi meinen Vater kennen, blieb in der Schweiz und gründete eine Familie.

Ich bin sicher, du hast nicht nur diese zwei Artikel verkauft, sondern auch davon genascht. Von allem?

Von den Schleckwaren sicher, aber ich habe noch nie eine Zigarette geraucht, ganz im Gegensatz zu meinem Umfeld in Kinderjahren und meinen Eltern, die beide Raucher waren. Es war bei mir nie eine Versuchung vorhanden, was vielleicht daherkommt, weil ich so einen natürlichen Zugang zum Tabak hatte.

Und 25 Jahre nach der Schliessung des Tabakladens in Tarragona bist du ebenfalls in der Tabakbranche angekommen.

Ja, 2003 habe ich in Basel bei der Firma Oettinger Davidoff angefangen. Am ersten Tag lernte ich das Team und den Betrieb kennen und als mir das Zigarrenlager gezeigt wurde, da war ich den Tränen nahe, denn es herrschte genau derselbe Geruch wie damals im Tabakfachgeschäft in Spanien. Und alle Erinnerungen an unbeschwerte Sommerferien der Jugendzeit und vor allem an meine Grossmutter, die uns ein Jahr zuvor verlassen hatte, kamen hoch – wegen des Geruchs.

Deine Erstausbildung hatte aber noch in eine andere Richtung gezeigt.

Tatsächlich besuchte ich nach der Handelsschule an der Kantonsschule Wetzikon die Dolmetscherschule, wo ich ein Übersetzerstudium in Deutsch, Englisch und Spanisch abgeschlossen habe. Doch ich dachte schon während des Studiums, dass dies wohl nicht der Job sei, den ich lange ausüben würde. Ich brauche Menschen um mich herum, statt den ganzen Tag im stillen Kämmerlein zu übersetzen. Aber durch die Sprachen bin ich im Messebusiness gelandet und mir wurde klar: Das ist es!

Welche Arten von Messen muss ich mir vorstellen?

Es waren vor allem Fachmessen und mein Arbeitgeber war damals der grösste Veranstalter von Fachmessen weltweit. Zuerst war ich Assistentin des Geschäftsführers, machte später den PR-Berater und baute die PR- und Medienarbeit in dieser Firma auf. Dies war ein wichtiger Meilenstein in meiner beruflichen Karriere, die mich wie gesagt 2003 als Kommunikationsleiterin international zur Firma Oettinger Davidoff führte.

Wo du dann auch deine erste Zigarre genossen hast?

Nein, das war tatsächlich bereits während meiner Zeit im Messe-Business. Im Vorfeld einer Messe haben wir jeweils sehr hart gearbeitet und dann das Ende einer erfolgreichen Messe mit einem guten Dinner und einer Zigarre zelebriert. Ich genoss damals schon gerne ab und zu eine feine Zigarre und bei Oettinger Davidoff habe ich natürlich mein Wissen über Zigarren, Herkunft, Produktion und Vertrieb vertiefen können.

Auch an Orten der Herkunft, also Lateinamerika?

Ja, das war toll. Ich war unter anderem für die Journalisten- und Händlerreisen in die Dominikanische Republik verantwortlich und begleitete natürlich die Journalisten. Dies kombinierte ich jeweils mit dem Besuch des «Procigar Festivals» in Santiago im Februar. Ich konnte wahnsinnig viel von den Besten des Fachs wie Hendrik Kelner oder Eladio Diaz lernen. Es war ein riesiges Privileg, so viel vor Ort zu lernen und es an Interessierte weitergeben zu dürfen.

Fliegst du immer noch dorthin, auch wenn du nicht mehr bei Oettinger Davidoff arbeitest?

Jedes Jahr im Januar oder Februar. Die Tabakpflanzen sind dann in ihrer vollen Blüte, stehen mannshoch und warten darauf, geerntet zu werden. Man kann den ganzen Prozess von Ernten und Trocknen mitverfolgen, das Festival besuchen und Wetter, Leute und tolle Zigarren geniessen. Trotz meiner diversen Tätigkeiten sind diese Reisen Anfang Jahr ein Fixpunkt in meiner Jahresplanung.

Stichwort Tätigkeiten: Wann hast du dich selbstständig gemacht?

Nach 14 intensiven und lehrreichen Jahren als SVP Corporate Communications und späteres Mitglied der Konzernleitung von Oettinger Davidoff orientierte ich mich 2017 neu und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit, indem ich meine «One-Woman-Show», die Firma Kontor für Kommunikation, gründete.

Damit hast du das alte Wort «Kontor» wiederbelebt…

Das ist tatsächlich ein Wort aus dem 16. Jahrhundert. Später wurde Kontor sehr oft für Büros und Geschäftszimmer von Kaufleuten verwendet. Ich startete mit einem Arbeitsplatz in einer Fabrik, den mir ein befreundeter Journalist, Romeo Brodmann, vermittelt hatte. Bald erhielt ich einige Mandate für die Unternehmens- und Markenkommunikation kleinerer Firmen oder Organisationen.

Und mit Romeo Brodmann hast du ein weiteres spannendes Kapitel in deinem Berufsleben aufgeschlagen.

Er hegte schon lange den Wunsch, mal seine eigenen Zigarren zu produzieren und ich konnte ihm dank meiner Beziehungen in der Tabakwelt die Türen zur Produktion aufstossen. Das Konzept, die Ideen und die Namen der «Brodmann Cigars» kamen von Romeo.

Die Namen der «Gloria Helvetia»-Linie tönen nach Geschichte…

Ja, das ist so. Romeo ist sehr geschichtsinteressiert und er wusste immer, dass seine erste eigene Zigarre «Morgarten» heissen würde. Auch «St. Jakob» und «Näfels» erinnern an berühmte Schlachten der Schweizer Geschichte, und «Lucerna», «Basilea» und «Clarona» sind diejenigen Zigarren, welche die Namen der dazu passenden Städte tragen.

Praktisch hinter deinem Büro in Zürich liegt der Lindenhof, ebenfalls ein Namensgeber einer Zigarre …

… was aber nichts mit unserem Büro zu tun hat, sondern mit jener Geschichte aus dem Jahr 1292, als die Zürcher Männer gegen die Stadt Winterthur ausgerückt waren, jedoch eine Niederlage einstecken mussten. Davon wollte der österreichische Herzog Albrecht von Habsburg profitieren, weil er Zürich ungeschützt wähnte. Doch die Frauen unter der Führung von Hedwig ab Burghalden bewaffneten sich im Zeughaus, zogen Uniformen an und formierten sich auf dem Lindenhof. Grund genug für den Habsburger, den Rückzug anzutreten.

Und für euch, die Zigarren «Lindenhof» und «Zürich» zu produzieren.

Die «Lindenhof» ist mit 24 cm auch die längste unserer Zigarren und das Format heisst «Corona Gigante Hedwig», gewidmet der Heldin von 1292. Und die «Zürich» wurde ursprünglich für einen Spaziergang entlang der Bahnhofstrasse konzipiert.

Wie kamen die Namen und die Zigarren bei der Kundschaft an?

Zuerst waren die Produktionszahlen natürlich klein, einige tausend vielleicht. Romeo hat durch seine Tätigkeiten als Journalist und Buchautor ein grosses Beziehungsnetz, hier fand er seine erste Kundschaft. Danach hat die Qualität der Zigarren überzeugt und viele fragten nach diesen «Schweizer Zigarren». Heute verkaufen wir sehr viel online, aber auch in zahlreichen Zigarren-Lounges findet man die «Gloria Helvetia Brodmann Cigars». Es ist ein langsames, aber stetes Wachstum.

So gibt’s auch für dich mehr zu tun – nebst deinem Kontor – und trotzdem bist du noch zusätzlich bei der Musik und auf einem Schiff gelandet.

Du meinst natürlich das Genussschiff, die MS Ufenau. Das kannte ich schon zu meinen Davidoff-Zeiten, da wir damals auf diesem Schiff Gourmet- und Smoke-Fahrten organisiert haben. Nach den strengen Tabakgesetzen von 2011 haben wir, meine damalige Mitarbeiterin Nicole und ich, einen Verein gegründet, den wir «Smoke on the Water» getauft haben.

In Anlehnung an den berühmten Song der Rockgruppe «Deep Purple».

Richtig. Der Verein ist in Kürze derart gewachsen, dass wir bereits im zweiten Jahr nach der Gründung die GV ins Gasthaus Albisgütli verlegen mussten. Unser Verein ist einer der Aktionäre des Schiffs, das wir zusammen mit einigen Interessierten 2021, während der Pandemie, den vorherigen Besitzern abkaufen konnten.

Eine reine Herzensangelegenheit?

Das war und ist es sicher. Aber ein solches Passagierschiff, das das ganze Jahr unterwegs ist, ist teuer im Unterhalt und Betrieb. Es war immer unser Ziel, es rentabel zu betreiben, und wir sind heute schon mit dem erzielten Umsatz zufrieden. Pro Jahr werden rund 100 Fahrten organisiert, vom Fondue- oder Weihnachtsessen über Hochzeiten, Geburtstage und Vereinsausflüge. Essen und Getränke werden von uns an Bord serviert und auch ein Humidor darf nicht fehlen. Pro Person kommt eine Genussfahrt trotzdem nicht teurer wie ein Besuch in einem guten Restaurant.

Ich sehe es vor mir: Sonne, Zürichsee, feine Häppchen, coole Getränke und im Hintergrund läuft das Country-Radio…

(lacht) Nicht ganz. Aber ich weiss, worauf du anspielst.

Sprechen wir noch kurz über Musik und dein Engagement beim Country Radio Switzerland.

Musik ist ein wichtiger Begleiter in meinem Leben. Ich bin aufgewachsen mit Musik, mein Vater hörte damals Musik wie Louis Armstrong oder Big Bands wie Glenn Miller und andere. Wohl deshalb wollte ich immer Trompete spielen. Das durfte ich nicht, dafür dann aber Gitarre. Mit 30 lernte ich Saxophon spielen, mein absolutes Lieblingsinstrument. Als ich in eine Stadtwohnung umzog, konnte ich es nicht mehr spielen, da es viel zu laut war. Zudem hatte ich wegen meiner PR-Ausbildung keine Zeit mehr.

Und jetzt stehen über ein Dutzend Gitarren in deiner aktuellen Wohnung …

… und ich kann nicht mehr spielen, habe es leider verlernt. Aber sie gehören ja auch meinem Partner Hämpi Ruf, dem Bandleader der «Nashville Rebels». Ich hatte seine Band für die erwähnte GV im Gasthaus Albisgütli verpflichtet und ihn dort kennengelernt. Die Band hatte ich zuvor schon an diversen Festivals und Konzerten gehört. Nebst dem Big Band-Sound, dem Jazz, Bands wie Dire Straits oder Rolling Stones, Elvis natürlich oder Willie Nelson, gefällt mir auch die Country-Musik – nicht alles, aber vieles davon.

Aber nicht alle Country-Fans gehen soweit, dass sie gleich ein Radio gründen…

Also gegründet wurde Country Radio Switzerland (CRS) 2008 von David und Bea Bolli und mein Partner Hämpi hat es immer gehört und auch unterstützt. Als die Bollis 2022 das Radio aufgeben wollten, fanden Hämpi und ich das schade und übernahmen es zusammen mit zwei weiteren Partnern, den beiden Bandtechnikern von Hämpi. Ausschlaggebend war auch, dass gut die Hälfte des Moderatorenteams zusagte, beim Sender zu bleiben. Und nochmals so viele konnten wir danach neu begeistern. Ich bin Geschäftsführerin und zuständig für Partnerschaften und die Kommunikation, Hämpi ist der Musikchef und die Techniker David und Hansruedi kümmern sich um die ganze technische Komplexität eines Internetradiosenders. Dank dem grossen Effort von Hämpi sind wir musikalisch nun viel breiter aufgestellt als früher, mit Blues, Soul, Rock’n’Roll, Tex-Mex, einigen Spezialgefässen wie die «Swiss Hour», «Sun Records», «Gospeltrain» oder «Hillbilly Swing» und noch viel mehr – kurz: «The best of Country Music, and so much more».

Liebe Paloma, das tönt vielversprechend. Ich werde auf jeden Fall bei CRS reinhören und dabei an unser Gespräch denken, für das ich mich ganz herzlich bedanke.

 

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