TDM: Was sagen Sie jemandem, der Ihre Zigarren nicht kennt?
Valentino Siesto: Dass sie die besten sind der Welt.
Natürlich. Und was sonst noch?
Unsere Marke, Valentino Siesto, ist aus Leidenschaft geboren. Ich lebe seit vielen Jahren in der Dominikanischen Republik. Als passionierter Genussraucher begann ich ab 2007, Zigarrenmanufakturen zu besuchen, mit dem Ziel, eigene Blends für den Eigengebrauch zu kreieren. Diese kamen bei Freunden und Geschäftspartnern aber dermassen gut an, dass ich immer mehr davon bestellen musste. Mit meinem damaligen Masterblender und heutigen Geschäftspartner Juan Gomez haben wir an die 100 verschiedene Blends kreiert, etwa 50 davon werden heute produziert.
Was zeichnet die Zigarren von Valentino Siesto aus?
Wir arbeiten ausschliesslich mit lange gereiften Tabaken. Sie haben bereits einen Teil ihres Nikotins abgebaut, so kommt ihre Aromatik besser hervor. Zudem sind mit solchen Tabaken gefertigte Zigarren sehr bekömmlich. Man kann sie bis zum Ende rauchen – ohne dass sie kratzig oder bitter werden. Und man hat am Schluss sofort Lust, eine neue anzuzünden.
Wie gelangen Sie an gereifte Tabake?
Dank der Familie von Juan Gomez haben wir Zugriff auf eigene Felder und sehr alte Bestände. Zudem pflegen wir enge Kontakte zu den bedeutendsten Tabakproduzenten der Dominikanischen Republik. So haben wir etwa die Möglichkeit, acht Jahre alte Tabake zu kaufen und weiter zu lagern. Auf unseren Feldern experimentieren wir zudem mit verschiedenen Hybridsorten aus Kuba und Kamerun. Für die Superpremiumzigarre El Libro 21 años verwenden wir zum Beispiel nur Tabake, die 21 Jahre gereift sind. Der Preis ist allerdings entsprechend. Eine Box kostet 3500 Franken.
Ihre in der Schweiz erhältlichen Linien unterscheiden sich scheinbar vor allem durch das Deckblatt.
Es gibt die vier Linien Sun Grown, 1971 Connecticut, Maduro und die Doble Capa mit zwei Deckblättern. Wichtig ist, dass jedes Format einen anderen Blend enthält, also auch die Zigarren innerhalb der gleichen Linie unterschiedlich schmecken. In meinen Augen ist es sinnlos, eine Zigarrenlinie mit immer dem gleichen Blend anzubieten. Jede Zigarrenform verlangt nach einer eigenen Mischung.
Was sind Sie für ein Mensch?
Ich bin romantisch veranlagt. Sport und Kunst haben mich immer interessiert. Ich liebe Jazz und klassische Musik, allen voran Wolfgang Amadeus Mozart. Daneben habe ich 15 Jahre lang Kickboxen trainiert und in Italien Tischtennis auf professionellem Niveau gespielt. Als kreative Person liegt mir die Büroarbeit nicht, ich kann nicht stillsitzen, sondern muss immer etwas erschaffen.
Sie waren lange als Juwelier tätig. Gibt’s Parallelen zum Zigarrenbusiness?
Natürlich. Zuerst einmal ist jede Zigarre ein Juwel. Ganz wichtig: Schmuck und Zigarren werden beide von Leidenschaft inspiriert. Eine Zigarre ist für mich wie ein Kind. Ich will, dass es perfekt ist, bevor es auf den Markt kommt. Unsere Unternehmung versteht sich als Boutique-Marke mit einem klaren Limit. Wir produzieren höchstens zwei Millionen Zigarren pro Jahr. Aktuell liegt die Produktion bei rund einer Million Stück.
In Panama existiert ein Valentino Siesto Club House. Was hat es damit auf sich?
Während der Pandemie konnte ich nicht reisen. Also habe ich ein 800 Quadratmeter grosses Kolonialhaus gekauft und zu einem wunderschönen Zigarrenclub umgebaut. Von den Fliesen und den Farben über die Gemälde bis hin zu den Möbeln habe ich alles selbst zusammengestellt. Das hat anderthalb Jahre gedauert. Aber es hat sich gelohnt. 2023 wurden wir vom Cigar Journal zum schönsten Zigarrenclub der Welt gekrönt.
In welchen Ländern sind die Zigarren von Valentino Siesto derzeit erhältlich?
Aktuell sind es 40 Länder. In Europa vertreiben wir unsere Zigarren in Schweden, Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wichtig dabei ist: Wir fokussieren nicht auf das Massengeschäft, sondern suchen die Präsenz an den jeweils besten Adressen für Premiumzigarren. Auch künftig sollen Spezialformate und limitierte Editionen den Kern der Marke
ausmachen.
