Besonders gute Weine wachsen entlang des sogenannten Weingürtels, zwischen dem 30. und 50. Breitengrad. Hier treffen Tageshitze und kühle Nächte aufeinander, Böden sind oft mineralstoffreich, die Jahreszeiten klar ausgeprägt. Je näher man dem Äquator kommt, desto schwieriger wird es: zu gleichmässig, zu heiss, zu wenig Säure. Die klimatischen Bedingungen setzen Grenzen – und sie verschieben sich.
Wein ist also mehr als Genuss. Er ist ein Produkt aus Zeit, Wissen, Klima und vielen Entscheidungen.Reben sind empfindlich. Damit sie gesund bleiben, braucht es Erfahrung, Geduld und meist auch Pflanzenschutz – ganz gleich, ob im konventionellen oder im biologischen Anbau. Während im herkömmlichen Weinbau synthetische Mittel zum Einsatz kommen, arbeiten Biowinzer:innen mit Stoffen wie Kupfer oder Schwefel. Beide Systeme verfolgen das gleiche Ziel: gesunde Trauben. Und beide bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich.
Auch der Boden verlangt Aufmerksamkeit. Während er im konventionellen Anbau gelegentlich mit Herbiziden bearbeitet wird, setzt der Bioweinbau auf mechanische Pflege und gezielte Begrünung. Kräuter und Leguminosen wie Klee oder Ackerbohnen reichern den Boden mit Stickstoff an, fördern die Durchlüftung und bieten Lebensraum für Nützlinge. Was früher als «ungepflegt» galt, gilt heute als durchdacht: Ein lebendiger Rebberg kann sich besser selbst regulieren und braucht in der Regel weniger Eingriffe. Trotzdem: ganz ohne geht es nicht. Auch im Bioweinbau wird gespritzt – meist mit Kupfer. Bei empfindlichen Rebsorten kann das bis zu 15 Behandlungen pro Saison bedeuten. Zwar ist der Einsatz inzwischen begrenzt und viele Winzer:innenarbeiten mit natürlichen Alternativen wie Tonerde oder Schachtelhalm. Doch das Spannungsfeld bleibt: Was schützt die Pflanze am besten und schont gleichzeitig die Umwelt?
Vielleicht liegt die Antwort in der Züchtung. Piwi-Rebsorten – also pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen – benötigen deutlich weniger Pflanzenschutz und haben das Potenzial, den Bioanbau langfristig nachhaltiger zu machen. Auch geschmacklich holen sie auf: Weisse Sorten wie Johanniter oder Solaris überzeugen längst nicht nur mit ökologischen Argumenten, sondern auch im Glas.
Denn am Ende geht es nicht um richtig oder falsch. Sondern darum, zu verstehen, wie viel Arbeit, Wissen und Sorgfalt hinter dem Wein im Glas steckt. Und genau das macht den Genuss vielleicht sogar noch ein bisschen grösser.
Bio = besser? Ganz so einfach ist es nicht.
Bioweinbau verzichtet auf synthetische Pflanzenschutzmittel – das ist gut für Böden, Tiere und Menschen. Stattdessen wird mit natürlichen Stoffen wie Kupfer gearbeitet. Doch auch Kupfer hat seine Schattenseiten: Es reichert sich im Boden an und kann dort Mikroorganismen schädigen. Wird sein Effekt ähnlich streng bewertet wie jener synthetischer Pestizide, schneiden Biobetriebe nicht immer deutlich besser ab. Die Lösung könnten sogenannte Piwi-Rebsorten sein: Sie brauchen kaum Schutz und senken die Umweltbelastung deutlich – unabhängig vom System.
