Ein bescheidener Wegweiser, einmal scharf nach rechts und schon stehen wir vor einer rot-weissen Schranke. Dahinter unauffällige, lange und verwinkelte Gebäude, ein Innenhof und über einem Eingang die schlichte Schrift: «Villiger Söhne A.G.».
Wir werden von Werner Rudin, dem Betriebsleiter des Standorts Pfeffikon begrüsst und über den Ablauf informiert. Er rüstet uns mit Ohrhörern aus und dem Ratschlag: «Mit den Augen schauen, so viel ihr könnt, mit den Händen anfassen, so wenig wie möglich». Okay, das kann ich mir merken, und schon geht’s los zur ersten Station, einer Lagerhalle.
Hier gibt es zwar wenig zu sehen, nur gestapelte Kartons oder Ballen, jedoch riecht es angenehm würzig nach frischem Tabak und vor allem erhalten wir bereits sehr viele Informationen von unserem Guide. Werner Rudin weiss nicht nur alles über die Tabakfabrikation, sondern er weiss auch, dieses Wissen verständlich weiterzugeben und hie und da eine Pointe zu setzen.
Folglich sei der Rohtabak-Einkäufer extrem gefordert, um die hohen Qualitätsansprüche der Firma Villiger und der Endkonsumenten zu erfüllen – kann ich mir gut vorstellen.
Nach der ersten Station ist mein Tabakwissen bereits erheblich. Die Bilder der Pflanze, die uns Werner Rudin gezeigt hat, sind mir ebenso geblieben wie der würzige Geruch, den die Tabakballen verströmen. Dass eine Zigarre aus Einlage (Mischung), Umblatt und Deckblatt besteht, ist mir bekannt. Was mir aber bis zur Führung unbekannt war: Der Tabakkäfer und die Tabakmotte sind die Feinde der Tabakindustrie – und ich habe immer gedacht, es sei die Eidgenössische Steuerverwaltung oder das Bundesamt für Gesundheit…
Um die kleinen Schädlinge zu bekämpfen
werden in allen Räumen Hormonfallen aufgestellt und regelmässig kontrolliert, damit bei einem möglichen Befall sofort reagiert werden kann.
Sie sind nicht nur laut, diese Maschinen, sondern auch vielseitig und effizient: Sie schneiden oder reissen, befeuchten oder trocknen, mischen oder entfernen, pressen oder lockern, bewegen, schütteln und transportieren – je nachdem, was gerade gefragt ist. Unermüdlich und präzise. Dabei stets von einem Betreuer überwacht, der zwecks Qualitätskontrolle jederzeit in die Prozesse eingreifen kann.
Müsste ich nicht eifrig in meinen Notizblock kritzeln, so könnte ich detailliert erklären, wie eine Zahntrommel oder ein Lochrost funktionieren. Geblieben ist: Die Rippen sind nun aus dem Tabakblatt entfernt und ich würde nie meine Hand in diese Maschine halten wollen.
Auch anderes störendes Material, das nichts mit Tabak zu tun hat, wird hier ausgeschieden und die originellsten Fundobjekte sind in einer Art «best-of»-Kästchen ausgestellt. Ich sehe da Steine, Ungeziefer, Münzen, Messer, eine Brille und sogar eine Armbanduhr. Erleichtert stelle ich fest, dass das dazugehörende Handgelenk nicht dabei ist.
Umblatt zuschneiden, Rohling fertigen, Deckblatt aufbringen, Zigarren portionieren, abfüllen und verpacken: Hier sind ausschliesslich Frauen am Werk. Viele von ihnen arbeiten seit Jahrzehnten im Betrieb, weshalb es gemäss Werner Rudin immer wieder vorkomme, dass Jubiläen von 25, 30 oder 35 Jahren gefeiert würden.
Warum an diesen Maschinen ausschliesslich Frauen arbeiten, habe mit ihrer Fingerfertigkeit zu tun, lasse ich mir sagen. Für einen Moment fühle ich mich wie ein männlicher Grobmotoriker, aber nur kurz.
Eine Maschine beeindruckt mich besonders: Sie sieht modern aus, riesig, raumfüllend, mit verschiedenen Stationen, an denen jeweils ein nächster Verarbeitungsschritt getätigt wird, und mit langen Transportbändern verbunden. Kaum zu glauben, wie schnell und präzise von dieser Maschine und flinken Händen gearbeitet wird. Resultat: 130’000 Zigarillos täglich. Verpackt, etikettiert, eingeschweisst und abgepackt, natürlich versehen mit einem der 15 Warnbilder, die vorgeschrieben sind und alle zwei Jahre ausgetauscht werden.
So geht also Zigarren produzieren.
In diesem Lager der verkaufsfertigen, handgerollten Zigarren leuchten die Augen der teilnehmenden «Aficionados» auf und mit Kennerblick werden die einzelnen Erzeugnisse kommentiert. Aber auch hier gilt: «Mit den Augen schauen, nicht mit den Händen anfassen» – und schon gar nichts mitnehmen. Dass es eine Taschenkontrolle gebe, war aber nur ein Scherz unseres Guides.
Mitnehmen darf man dann am Ende der Führung ein grosszügiges «Give Away», eine Tasche mit Feuerzeug und Tabakwaren der Villiger Söhne AG, darunter natürlich die «Original Krumme».
Während einige der Teilnehmenden noch im Fabrikladen einkaufen, tragen sich Dominic und ich im Gästebuch ein, wo wir uns für zwei kurzweilige und informative Stunden bedanken. Mein Fazit: Es hat sich gelohnt, mein Wissensdurst ist gestillt worden und wer noch nie an dieser Führung war… na ja, «Les absents ont toujours tort»!
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Tauchen Sie gemeinsam mit anderen Genussliebhabern in die Welt der Tabakverarbeitung ein. An fol-
genden Daten finden die Führungen im nächsten Jahr statt:
25. März 2026
17. Juni 2026
21. Oktober 2026
28. Oktober 2026
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