Doch wie wird aus der ungeniessbaren Bohne eigentlich der edle Rohstoff Kakao? Wer eine Kakaofrucht öffnet, entdeckt nicht Schokolade, sondern ein weisses, glibberiges Fruchtfleisch, in dem 30 bis 50 Bohnen liegen – so bitter, dass man sich fragt, wer je freiwillig eine zweite probiert hat und wessen Beharrlichkeit überhaupt dazu führte, daraus etwas Köstliches zu machen.
Die ersten Europäer und der Kakao – Kolumbus & Cortés
Wer heute eine Tafel Schokolade bricht, ahnt kaum, wie zufällig Europas erster Kontakt mit Kakao war. Christoph Kolumbus begegnete den braunen Bohnen erst 1502 auf seiner vierten Amerikareise. Der Geschichte nach entdeckte er vor der Küste von Guanaja ein Handelskanu der Maya, das vollbeladen mit Waren war – darunter auch Kakaobohnen. Als mehrere Bohnen beim Entladen zu Boden fielen und die Maya sie sofort aufhoben, bemerkte Kolumbus zwar deren Wert, verstand aber nicht, warum sie so kostbar waren. Die Bohne blieb für ihn ein Rätsel.
Er nahm Kakaobohnen mit nach Spanien – doch niemand wusste etwas damit anzufangen. Kolumbus selbst hat nie Schokolade probiert.
Der eigentliche kulturelle Transfer gelang erst Hernán Cortés. Als er 1528 von seiner Reise nach Europa zurückkehrte, brachte er den Kakao ein zweites Mal über den Atlantik – diesmal mit dem Wissen um seine Bedeutung in der aztekischen Gesellschaft. Das Getränk, das die Azteken daraus herstellten, war allerdings bitter und scharf. Erst mit Honig und Rohrzucker wurde daraus ein Luxusgetränk, das ab 1544 am spanischen Hof serviert wurde.
Dort soll Rodolphe Lindt 1879 aus Versehen eine Rührmaschine laufengelassen haben. Lindt liess am Freitag die Maschine laufen und kehrte am Montag in seine Werkstatt zurück, die nach Schokolade duftete wie nie zuvor. Die Masse war dunkel, glänzend, glatt, aromatisch – ein Wunderwerk aus Zufall, Hitze, Mechanik und Zeit. Und es war der Moment, in dem die Schweiz begann, die Welt mit Schokolade zu erobern.
Die Conche setzte einen Qualitätsstandard, der bis heute andauert. Denn auch heute noch reiben und rühren Conchiermaschinen die Kakaomasse so lange, bis aus sandigem Kakao jene zartschmelzende, aromatische Schokolade wird. Ohne Lindts Vergesslichkeit wäre Schokolade vielleicht auch heute noch ein ganz anderes Produkt – und die Schweiz vermutlich kein Schoggi-Land.
Dass die Schweiz daraus ein Weltprodukt machte, lag aber nicht nur an der Conche. Sauberes Wasser, mechanische Präzision, hohe Hygienestandards und ein fast pedantisches Qualitätsverständnis gaben dem Produkt einen Vorsprung, den die Schweiz bis heute nicht eingebüsst hat.
Was macht die Conche?
In der Conche wird die Schokoladenmasse stunden- oder tagelang bewegt, gewärmt und gerieben. Bitterstoffe verflüchtigen sich, Aromen runden sich ab, Partikel werden mikroskopisch fein. Nach dem anschliessenden Temperieren entsteht der typische Glanz und jener berühmte «Knack», ohne den keine Tafel komplett wäre.
