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Urs Portmann, Zigarren-Experte

05. August 2020
«Eine Zigarre ist ein Naturprodukt. Das ist für mich auch der Reiz daran und macht das Produkt lebendig» erzählt Urs Portmann. Im Interview mit «Tabak & more» erklärt er, was es beim Zigarren-Genuss zu beachten gilt und wieso sich eine Reise zu den Produzenten lohnt.

Herr Portmann, wann geniessen Sie eine Zigarre?

Das sind besondere Momente. Dafür muss das Ambiente stimmen, meine persönliche Verfassung, die Situation. Wenn ich eine Zigarre rauche, dann muss ich geniessen können, brauche Ruhe und Zeit. Das kann der krönende Abschluss nach einem feinen Essen sein, am Abend zu Hause bei einem guten Film, einem Fussballmatch oder bei einem anregenden Gespräch. Wichtig ist, dass ich mich auf die Zigarre konzentrieren kann. Ich kann dann nicht sieben Sachen gleichzeitig machen. Denn wenn die Zigarre immer wieder ausgeht, schmeckt sie irgendwann nicht mehr. Und wenn man sich nicht auf den Genuss konzentrieren kann, ist es auch Schade um die Zigarre.

Wie definiert sich eine Zigarre überhaupt?

Eine Zigarre ist ein reines Naturprodukt, ohne Chemie, ohne Fremdstoffe usw. Das ist für mich auch der Reiz daran und macht das Produkt lebendig. Als reines Naturprodukt unterscheidet sich die Zigarre von anderen Tabakprodukten wie beispielsweise Pfeifentabak oder Zigarillos. Kaum definieren lässt sich eine Zigarre über die Grösse oder Dicke, es gibt sie in den verschiedensten Ausführungen. Kenner bevorzugen häufig sogar eher die dünnen Zigarren, da dann der Geschmack beim Rauchen weniger durch Sauerstoff verdünnt oder verfälscht wird. Das Naturprodukt kommt beim Rauchen einer dünnen Zigarre besser zur Geltung.

Was macht für Sie eine gute Zigarre aus?

Das ist sehr individuell und kommt auch immer ein bisschen auf die Situation und die Stimmung an. Das Rohmaterial ist für mich aus Kuba am spannendsten. Dies aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Ausprägungen innerhalb Kubas, was auf die variantenreichen Rohmineralien in den Böden zurückzuführen ist.

Das heisst, aus Kuba kommen die besten Zigarren?

Das ist nicht ganz das gleiche. Für mich ist Kuba eines der spannendsten Anbau- und Produktionsländer. Man kann aber nicht allgemein sagen, aus welchem Land die besten Zigarren kommen. Jedes Land hat wieder andere Aromen und Ausprägungen. Daneben kommt es natürlich auch auf die Erntequalität an, auf die Zusammenstellung der einzelnen Tabakblätter, den Trocknungsprozess, die Verarbeitung… Und auch die anschliessende Lagerung ist enorm wichtig. Eine Zigarre ist nach der Herstellung nicht abgeschlossen. Sie reift weiter, vergleichbar mit einem Wein. So hat jede einzelne Komponente Einfluss auf eine Zigarre. Die einen mögen dies lieber, die anderen das.

Gibt es auch Jahrgangs-Unterschiede bei Zigarren?

Je nach Ernte gibt es natürlich Unterschiede beim Tabak. Ähnlich wie bei einem Champagner versucht aber auch ein Zigarren-Produzent, seine Zigarren immer in gleicher Qualität und Ausprägung zu produzieren. Bei einer Tabakpflanze gibt es ja Stärken- und Geschmacks-Unterschiede, je nachdem, welche Blätter aus welchem Bereich der Pflanze verwendet werden. Durch die richtige Mischung dieser Blätter innerhalb der Pflanze kann man dann die Zigarren-Ausprägung steuern.

Merken Sie am Geschmack einer Zigarre, aus welchem Land sie kommt?

Bei den meisten Zigarren kann ich schon unterscheiden, ob sie jetzt aus Kuba, der Dominikanischen Republik, aus Nicaraqua oder sonst wo herkommt. Das merke ich, wenn ich an einer Zigarre rieche. Es lässt sich zum Beispiel pauschal sagen, dass Zigarren aus Brasilien eher süsslicher sind, während solche aus der Dominikanischen Republik eher zu den milden zählen. Das alles spielt aber eigentlich gar keine Rolle, in erster Linie muss eine Zigarre dem Geniesser schmecken. Der Zigarren-Raucher muss sich mit seiner Zigarre wohl fühlen, egal aus welchem Land und in welcher Charakteristik sie ist.

Urs Portmann, Zigarren-Experte

Was empfehlen Sie einem Anfänger für eine Zigarre?

Eine Anfänger-Zigarre per se gibt es nicht. Es geht darum, für jede Person die individuell passende Zigarre zu finden. Ich gebe dann jeweils zwei Zigarren aus Kuba, zwei aus Nicaragua und zwei aus der Dominikanischen Republik mit. Anschliessend müssen alle sechs probiert werden. Während dem Rauchen macht man sich dann Notizen, und das nicht nur zur Zigarre selbst. Es muss auch notiert werden, wo man die Zigarre geraucht hat, im Freien oder in einem Raum? Hat man zuvor etwas gegessen oder die Zigarre auf leeren Magen geraucht? Wie war das Wetter, wie die persönliche Verfassung, um welche Uhrzeit usw.

Sind solche Details wirklich wichtig?

Probieren Sie es aus! Wenn Sie die gleiche Zigarre in zwei verschiedenen Situationen rauchen, ist sie nicht gleich. All diese Punkte beeinflussen die Wahrnehmung einer Zigarre enorm. Und wenn es darum geht, für einen die richtige Zigarre zu finden, sollte man sich auch etwas Zeit dafür nehmen und alles berücksichtigen. Schliesslich ist eine Zigarre auch kein günstiger Genuss und die Investition soll sich maximal auszahlen.

Sie werten diese Notizen anschliessend aus und wissen, welche Zigarre passt?

Ganz so schnell geht es meistens nicht. Dies ist eine erste Eingrenzung. Wenn wir dann die Notizen diskutieren und mir der Kunde sagt, diese und jene Zigarre hat mir in dieser Situation am besten geschmeckt, dann gibt es eine weitere Auswahl in diese Richtung. Vielleicht gibt es dann innerhalb des einzelnen Landes nochmals Zigarren zum Ausprobieren usw. So tastet man sich langsam auf den richtigen Weg. Übrigens auch für bereits langjährige Geniesser eine Empfehlung. Probieren Sie zwischendurch auch wieder einmal eine neue Variation aus. Ein Geschmack oder eine Vorliebe kann sich mit der Zeit ändern.

Gibt es eine Starter-Ausrüstung, die man sich zulegen muss?

Zur Grundausrüstung gehört sicher ein Zigarren-Schneider für das richtige Anschneiden sowie ein gutes Feuerzeug oder lange Zündhölzer. Und irgendwann gehört dann auch ein Humidor dazu. Denn Zigarren müssen richtig gelagert werden. Das heisst, entweder kaufen Sie jedes Mal frisch eine Zigarre im Tabakfachgeschäft und geniessen diese innerhalb weniger Tage oder Sie kaufen sich einen Humidor, in dem Sie die Zigarren auch zu Hause richtig lagern können.

Wieso ist die Lagerung so wichtig?

Zigarren brauchen Luftfeuchtigkeit, mindestens 68 Prozent. Wenn Sie einmal mit den Fingern über eine Zigarre streichen, merken Sie, dass diese leicht ölig ist, ein bisschen feucht. Das ist das Naturprodukt, das lebt. Damit die Zigarre nicht austrocknet und diese Feuchtigkeit behält, muss eben die Lagerung stimmen. Übrigens auch ein Grund, wieso ich von Käufen im Internet von unbekannten Anbietern abrate. Vielleicht spart man ein paar Franken, aber man weiss nie, wie die Zigarre gelagert wurde und ob sie überhaupt noch dem entspricht, was sie verspricht. In einem Tabakfachgeschäft können Sie die Lagerung überprüfen. Und auch der Versand muss fachgerecht geschehen, damit die Zigarre nicht austrocknet.

Gibt es eigentlich auch Fairtrade- oder Bio-Zigarren?

Es gibt vereinzelt Bio-Zigarren, ja. Diese konnten sich bisher aber auf dem Markt kaum beweisen. Sehen Sie, Tabak als Pflanze hat viele Feinde und es ist sehr schwierig, eine gute Tabakpflanze rein biologisch anzubauen. Deshalb gibt es auch sehr wenige gute Bio-Produkte in diesem Bereich. Und wenn Sie Fairtrade ansprechen: Im Gegensatz zu anderen Genussmitteln wird Tabak für Zigarren kaum an grossen Börsen gehandelt. Es gibt zwar Tabak-Börsen, jedoch vor allem für die Zigaretten-Industrie. Bei den Zigarren sind die Tabak-Bauern meist auch gleich Produzenten und verkaufen ihre Produkt direkt weiter, mit Ausnahme von Kuba. Dadurch sind die Bauern auch weniger Spekulationen ausgesetzt, können den Markt auch ein bisschen mitbestimmen und verdienen auch etwas an ihren Produkten.

Sie selbst reisen ja regelmässig auch in Länder, in denen Zigarren hergestellt werden. Wieso ist Ihnen dieser Kontakt so wichtig?

Für mich als Einkäufer der Produkte ist es wichtig, auch mit den Bauern direkt vor Ort zu sprechen. Wie ist die Ernte ausgefallen, wie sind die Aussichten? Die jeweils aktuelle Tabak-Ernte prägt dann die Zigarren ungefähr zwei Jahre später. Gleichzeitig sind für mich natürlich die Kontakte vor Ort auch sehr wichtig und spannend. Und nicht zuletzt ist es auch einfach immer wieder faszinierend, die Produktion vor Ort zu sehen und das Produkt vom Anbau bis hin zum Genuss zu kennen.

Würden Sie eine solche Reise auch jedem Geniesser empfehlen?

Absolut! Wir machen ja jeweils selbst solche Kundenreisen. Dabei sehen wir, was für ein Erlebnis dies für Zigarren-Raucher ist. Hier erfahren die Kunden, wie aufwendig und langwierig eben die Herstellung einer Zigarre ist und man schätzt das Produkt auch gleich nochmals mehr. Ausserdem ist es ja auch immer ein bisschen ein Lebensgefühl, das man vor Ort aufnimmt und dann vielleicht zu Hause beim Genuss sich wieder in Erinnerung ruft.

Urs Portmann

Seit über 40 Jahren führt Urs Portmann in Kreuzlingen ein Tabakfachgeschäft, zwei weitere Standorte sind in den letzten Jahren in Vaduz und St. Gallen dazugekommen, geführt von seinen Söhnen. Mit seinem Fachwissen und Sortiment begeistert er eine grosse Stammkundschaft, auch international. Zu den Produzenten in den verschiedensten Hersteller-Ländern pflegt er gute Beziehungen, auch dank seinen regelmässigen Besuchen vor Ort.

www.portmanntabak.ch

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