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25. août 2023

Am Anfang war das Feuer – und der Rauch

Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, war das Rauchen in vielen Gegenden der Welt längst bekannt: Pfeifenfunde aus der römischen Kaiserzeit oder der Zeit der frühen chinesischen Dynastien belegen dies ebenso wie etwa Herodots 2500 Jahre alter Bericht über die Hanfschnüffler oder auch die Notiz des Griechen Strabo über die «Rauchesser» in Kleinasien vor 2000 Jahren.
Dem griechischen Historiker Herodot (485 – 425 v. Chr.) wird die erste Erwähnung des «Rauchens» zugeschrieben. Er schrieb, dass die skythischen Reiter Blätter einer Pflanze – sehr wahrscheinlich handelte es sich um Hanf – auf das Feuer warfen und den Rauch inhalierten: «Sie werden trunken von dem Rauch wie die Griechen vom Wein, bis sie aufspringen und tanzen und singen.»Plutarch und der ältere Plinius berichten, die Griechen und Römer hätten Bilsenkraut, Stechapfel, Huflattich und Zypergras «geraucht», indem sie sich den Rauch der offen verbrennenden Kräuter zufächelten oder ihn durch Rohre einsaugten. «Der durch ein Rohr gesogene Rauch soll bekömmlich sein», meinte Plinius in seiner «Naturalis historia», und er empfahl den Rauch von getrocknetem Huflattich gegen den Steckhusten. Ähnliche Schilderungen sind auch von anderen Autoren der Antike überliefert.

Rauch wird seit frühesten Zeiten mit Religion und Aberglaube in Verbindung gebracht, und der zeremonielle Gebrauch von Wohlgerüchen und bewusstseinserweiterndem Rauch setzt sich bis ins Mittelalter fort, ohne jemals als Alltagsvergnügen betrachtet zu werden.

Geraucht wurden wohlriechende Kräuter und getrocknete Heilpflanzen, aber es findet sich nirgends ein Hinweis darauf, dass zur Zeit der kolumbianischen Entdeckungen ausserhalb der Neuen Welt bereits Tabak geraucht wurde; inzwischen sind sich die Historiker einig, dass der Tabak ursprünglich nur aus Amerika stammt. Der Anbau dieser Pflanze und das Tabakrauchen waren dort schon lange weit verbreitet. Wie lange freilich, lässt sich höchstens erahnen.

Vieles spricht dafür, dass die Urheimat des Tabaks im Bereich des mittelamerikanischen Festlands und der Antillen zu suchen ist. In diesen Gebieten konnte er unter den für ihn idealen subtropischen Bedingungen wild wachsen. Und wahrscheinlich entdeckten die Menschen die Wirkungen seines Rauches erstmals, als sie trockene Tabakpflanzen in ihr Feuer warfen. Man darf wohl davon ausgehen, dass es die Priester der Maya waren, die sich den blauen Dunst als Erste zunutze machten.

Am Anfang war das Feuer – und der Rauch
In der Ruinenstadt Palenque in Mexiko zeigt ein Steinrelief aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. einen Priester in einem Jaguarmantel und mit einer Kopfbedeckung, der Rauch durch ein Rohr bläst. In der Nähe befindet sich ein Steinrelief aus der Zeit um Christi Geburt, das den Pfeife rauchenden Maya-Gott Chac zeigt.

Eine besondere Verwendung des Tabaks blieb den aztekischen Priestern vorbehalten. Sie kauten u.a. Tabak, um während der Zeremonien in Trancezustände zufallen und Halluzinationen zu bekommen. So konnten sie mit den Göttern in Kontakt treten. Um die stimulierende Wirkung des Nikotins zu verstärken, wurde der Tabak ausserdem mit Zutaten wie Kalk und Stechapfel vermischt.

Während die aztekischen Priester den Tabak meist kauten, bevorzugten die mesoamerikanischen Götter das Rauchen. Gerade im Maya-Gebiet gibt es zahlreiche Darstellungen Zigarre rauchender Gottheiten. So galt Chac Mool, der Regengott der Maya, als begeisterter Raucher, der die Regenwolken mit seiner riesengrossen Zigarre erzeugte. In den Sternschnuppen sahen die Maya die weggeworfenen Zigarrenstummel ihrer Götter, und wenn es donnerte und blitzte, schlugen die Götter Feuer, um sich ihre Rauchrollen anzuzünden. Die alten Chroniken über die Azteken berichten wenig über das einfache Volk, und wir wissen heute nicht, wie weit das Rauchen im Volk verbreitet war. Über das Leben am Hof sind wir dagegen besser unterrichtet. So ist bekannt, dass Montezuma II. – er war von 1502 bis 1519 der letzte Herrscher der Azteken – nach dem Essen Tabak rauchte, um sich für die Siesta oder die Nacht die nötige Schläfrigkeit und Entspannung zu verschaffen.

In Mittel- und Südamerika rauchten alle Volksstämme seit Jahrhunderten. In den Kulturen der Maya, der Inka und der Azteken wurde der Tabak immer als ein Mittel betrachtet, um mit den Göttern Verbindung aufzunehmen. Als Sud, Saft und Kondensat wurde er vor allem gegen Tierbisse und Vergiftungen angewandt und die grünen Blätter wurden zur Linderung von Schmerzen auf den Körper gelegt. Tabak wird bis heute bei vielen indianischen Völkern Mesoamerikas gegen Schmerzen und Müdigkeit, Hunger und Durst geraucht.

Am Anfang war das Feuer – und der Rauch
Die Menschen, die den spanischen Entdeckern als Willkommensgeschenk Tabakblätter überreichten, kannten das Tabakrauchen allem Anschein nach seit langem, und überlieferte Berichte der Entdecker, Missionare, Abenteurer und Forschungsreisenden des 17. und 18. Jahrhunderts zeigen uns, dass der Tabak in seiner Urheimat zu jener Zeit Religionskraut, Heilkraut und Genussmittel war. Im Staat Chiapas im Süden Mexikos, unweit der Stadt San Cristobal de las Casas, leben – von der Zivilisation noch wenig berührt – die Lakandonen, ein Volk, von dem einige Anthropologen annehmen, dass es direkt von den Maya abstammt. In der Bernerin Gertrud Düby-Blom (1901 – 1993) hatten die Lakandonen eine unermüdliche Kämpferin für ihre Rechte gefunden. Dank ihren Fotos und dem mit ihrem Mann Frans Blom seit Mitte des letzten Jahrhunderts aufgebauten Studienzentrum Na Bolom in San Cristobal bleiben von dieser untergehenden Welt wenigstens einige Zeugnisse erhalten. Wie bei den Maya hat auch bei den Lakandonen der Tabak eine wichtige Stellung. Er ist einerseits ein Genussmittel und andererseits eine der wenigen Waren, die die Indios den Weissen verkaufen können.

Heutzutage pflanzt jedes Familienoberhaupt nach der Maisernte auf seiner Milpa, dem Pflanzfeld, Tabak an. Zur Zeit der Tabakernte hilft die ganze Familie mit; Männer, Frauen und Kinder tragen in kunstvoll geknüpften Netzen schwere Lasten auf dem Rücken, die nur von einem um die Stirn gehenden Lederriemen gehalten werden.

Ein Teil der Erntewird für den Eigengebrauch zurückbehalten. Auch die Frauen und die Kinder erhalten «Tabacos», die in ihrer Art eher an krumme Brissagos als an virtuos gefertigte Havannas erinnern.

Die Lakandonen glauben übrigens noch heute – wie die Maya früher –, dass die Sternschnuppen nichts anderes sind als die weggeworfenen Zigarrenstummel ihrer Götter.

Tabago? Das Buch zum Museum

Am Anfang stand die Idee, zur Eröffnung des Tabakmuseums eine kleine Broschüre zu drucken. Entstanden ist ein grossformatiges, reich illustriertes Buch, das einerseits die Tabak- und Zigarrensammlung von Urs Merz präsentiert, andererseits aber auch einen Überblick über die allgemeine Geschichte des Tabaks und speziell der Tabakindustrie im Wynen- und Seetal gibt. Zudem werden die wichtigsten Tabak verarbeitenden Betriebe der Region vorgestellt. So ruft das Buch diese vergangene Industriekultur, die eine ganze Region geprägt hatte, in Erinnerung. Jetzt bestellen unter info@tabakmuseum.ch für CHF 45.– zzgl. Versandkosten

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